Die Welt ist voller Lösungen

In ihrem preisgekröntem  Dokumentarfilm Tomorrow zeigen die französische Schauspielerin Mélanie Laurent und der Umwelt-Aktivist Cyril Dion, dass die Welt durchaus noch zu retten ist. Die Lösungsansätze dafür sind vorhanden. Sie müssen weltweit nur in die Tat umgesetzt werden. Um das zu beweisen, sind sie durch Frankreich, Dänemark, Finnland, Indien, Großbritannien, die Vereinigten Staaten, die Schweiz, Schweden und Island gereist und haben  mit Experten gesprochen, die mit ihren Projekte und Initiativen alternative ökologische, wirtschaftliche und demokratische Ideen verfolgen.

 
Dazu inspiriert wurde die Filmemacher 2012 durch die in der Zeitschrift Nature veröffentlichte Studie „Approaching a state shift in Earth’s biosphere“ von Anthony Barnosky und Elizabeth Hadly. Darin kommen die beiden Wissenschaftler zu der Schlussfolgerung, dass zwischen 2040 und 2100 höchstwahrscheinlich  eine Zusammenbruchs der Ökosysteme erfolgt. Wenn wir unsere Gewohnheiten nicht ändern. “Als ich die Studie las, war ich gerade schwanger. Ich war zutiefst schockiert”, berichtet Mélanie Laurent . Für den Film habe ich andere Projekte und Angebote abgesagt, um mich vollständig einbringen zu können.”

 

 

In Tomorrow entwerfen Mélanie Laurent und Cyril Dion eine Zukunftsvision, die sich umsetzen lässt, wie zahlreiche Beispiele im Film belegen. Dazu gehören alternative Konzepte in den Bereichen Landwirtschaft, Energie oder Verkehrspolitik. In Kopenhagen wird über ein Drittel des täglichen Straßenverkehrs wird von Fahrrädern bestritten, wodurch  jährlich allein 90.000 Tonnen CO2 eingespart werden.  Die Inanspruchnahme  der Verkehrsmittel wird stets durch das Angebot bestimmt. Der Ausbau mehrspuhrigen Fahrbahnen führt zu einer verstärkten Nutzung von Autos. Gibt es hingegen breitere Fahrradwege und nur kleinere Autostraßen,  steigen viele Bürger auf das Rad um, wie die Erfahrungen der Stadtplaner in Kopenhagen zeigen.

 

tomorrow_stills_09(1)Einen Einfluss auf die Ökonomie in der Region haben Komplementärwährungen, insbesondere  Regionalwährungen, wie es sie bereits in Großbritannien gibt. In der britischen Stadt Totnes ist mit dem Totnes Pound eine lokale Parallelwährung eingeführt worden, die dafür Sorge trägt, dass das dort erwortschaftete Geld auch lokal ausgegeben wird. Die lokale Währung wird dort in Banknoten in Höhe von 1, 5, 10 und 21 Pfund ausgegeben. Eine lokale Währung könnte auch in Griechenland dafür sorgen, dass die Gelder in die heimische Wirtschaft gesteckt werden und nicht wieder sofort aus dem Land in den internationalen Kreislauf zuzurückfließen.

 

 

Auf der ersten Station ihrer Reise erfahren die Filmemacher, dass es möglich ist, ohne Düngemittel oder Pestizide und mit wenig Technik mehr Nahrung zu produzieren, als in der industriellen Landwirtschaft. Einfach, indem die Erde von der Natur regenerierttomorrow_stills_12 wird. Mit dieser Methode ist es möglich, auf 1.000 m2 Anbaufläche mehr als 54.000 Euro im Jahr zu erwirtschaften. Dies ermöglicht es zugleich, dass  Städte wieder Landwirtschaft betreiben und ländliche Gebiete wieder besiedelt werden können. “Wir wollen zeigen, dass alles miteinander verbunden ist. Es nicht möglich ist, die Probleme separat zu behandeln”, sagt Cyril Dion. “Die westliche Landwirtschaft beispielsweise ist komplett vom Öl abhängig. Ändert man das Landwirtschaftsmodell, ändert sich zugleich auch das Energiemodell. Aber die Energiewende ist teuer, sie muss also aus wirtschaftlicher Sicht angegangen werden.”

 

Leider hat die derzeitige Ökonomie viel Ungleichheit geschaffen und ist zum Großteil für die Zerstörung des Planeten verantwortlich. “Sie sollte eigentlich demokratisch reguliert werden.” Aber damit Demokratie funktioniere, müsste sie von aufgeklärten Bürgern unterstützt werden, welche wiederum gelernt haben, frei und verantwortungsbewusst zu agieren.

 

tomorrow_stills_11Dies ist der Fall in den USA, wo ein Netzwerk von 35.000 amerikanischen Unternehmer-Pionieren eine vernetzte lokale Wirtschaft forcieren. Sie beweisen, dass die territoriale Verankerung, wirtschaftliche Unabhängigkeit und der Aufbau von Netzwerken die Zukunft der Wirtschaft sind – gestützt von erfolgreichen Praktiken der Kreislaufwirtschaft, in denen der Abfall des einen zur Ressource des anderen wird.

 

Tomorrow ist definitiv kein Öko-Dokumentarfilm, sondern wirft vielmehr den Blick auf eine Gesellschaft, wie es sie morgen geben könnte”, resümiert Mélanie Laurent. “Initiativen wie Permakultur, lokale Währungen oder erneuerbare Energien zeichnen das Bild einer alternativen Welt. Demotivierend ist, dass es sich scheinbar nur um vereinzelte Initiativen handelt. Aber die warten nur darauf, vereint zu werden! Es gibt bereits eine Welt, die Lösungen bereithält.”

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