Die grüne Produktion muss Normalität werden

Der Studio Hamburg Produktions-Chef Michael Lehmann über die Ziele und Zukunft einer nachhaltigen Produktionswirtschaft. Die Studio Hamburg Produktions Gruppe hat den Dreh raus, wenn es ums grüne Produzieren geht. Nach diversen Spielfilmen, Serien und Shows sind die Kinofilme Simpel und Die Pfefferkörner für ihre nachhaltige Produktionsweise mit dem Grünen Drehpass der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) ausgezeichnet worden.

 

 
Sind Kinofilme in punkto grüne Produktion die Königsdisziplin?
Ich denke nicht, dass sich Kinofilmproduktionen sehr von einem Fernsehspiel oder einer Serie unterscheiden. Wir konnten die Erfahrungen, die wir in den vergangenen Jahren gesammelt haben, in diese Produktionen einfließen lassen. Bei Simpel, den wir im Frühjahr 2016 an verschiedenen Schauplätzen in Norddeutschland gedreht haben, besaßen einige Teammitglieder bereits grüne Erfahrung. Die Pfefferkörner haben wir in Südtirol in einem Naturschutzgebiet teilweise auf 3.000 Meter Höhe gedreht. Wir mussten dort strenge Umweltschutzauflagen einhalten, wie wir uns in diesem Revier bewegen. Das hieß, den gesamten Müll, der beim Dreh entstanden ist, ins Tal hinunter zu bringen. Das Team hat dabei komplett mitgezogen. Ich bin froh, dass wir den grünen Dreh unter diesen schwierigen Bedingungen umsetzen konnten.

 

Ist eine nachhaltige Produktion zwangsläufig teurer?
Ich kann nicht bestätigen, dass die Produktionskosten durch die grünen Maßnahmen zwangsläufig steigen. Das ist eher eine Frage des Bewusstseins, denn dabei geht es darum, Erfahrungen zu sammeln und das erworbene Know-how umzusetzen.

 

Sind in Deutschland ausreichend Know-how und Equipment vorhanden?
Entscheidend ist dabei der Faktor Mensch und der Wille, das umzusetzen. Es ist eine grundsätzliche Frage, wie wir uns bewegen. Das ist mit einem Verbraucher im Supermarkt vergleichbar, der die Wahl zwischen Ein- und Mehrwegflaschen hat. Ich bin davon überzeugt, dass die Dienstleister die Technik anbieten werden, wenn es eine entsprechende Nachfrage danach gibt. Hier greift das Prinzip von Angebot und Nachfrage.

 

Um die Klimaziele zu erreichen, setzt die Politik Stellschrauben an, die zu Umweltschutzauflagen in allen Branchen führen werden. Wie kann sich die deutsche Film- und Fernsehbranche darauf vorbereiten?
Das wird ein vordringliches Thema werden, mit dem wir uns in Zukunft noch mehr beschäftigen müssen, als wir das heute schon tun. Das Schöne dabei ist, dass es spürbar ist, wenn man bereits die ersten Schritte in diese Richtung gegangen ist unddass dies vielen Menschen ein regelrechtes Bedürfnis ist. Es gibt jetzt schon eine Diskussion darüber, unter welchen Bedingungen Förderungen ausgesprochen werden sollen. Ich bin mir sicher, dass wir uns in Zukunft auch mit selbst auferlegten Auflagen auseinandersetzen werden müssen. Der Vorteil der Studio Hamburg Produktions Gruppe ist, dass wir darauf vorbereitet sind und diese Entwicklung sogar mit vorantreiben.

 

 
Was ist Ihre Zielsetzung?
Unser Ziel ist, dass die grüne Produktion Normalität wird und wir in zwei, drei Jahren nicht mehr darüber reden müssen. In Zukunft wird es nur noch darum gehen, welche Innovationen und Neuheiten es in diesem Bereich gibt und wie wir diese in die Produktion einfließen lassen können.

 

Interview: Bernd Jetschin

Fotos: ©Universum/Gordon Timpen, Studio Hamburg/Sabine Finger, Wild Bunch/ Martin Rattini

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