Sand – eine ökologische Zeitbombe

In der Arte-Mediathek ist bis zum 18. September der 2011 entstandene Dokumentarfilm Sand – Die neue Umweltzeitbombe von Denis Delestrac zu sehen. Darin zeigt der französische Filmemacher die Zusammenhänge und Hintergründe einer verheerenden Wertschöpfungskette auf, die sich aufgrund des massiven Sandabbaus in Flüssen und Meeren als ökologische Zeitbombe erweist. „Sand ist der unbekannte Held unserer Zeit, denn er ist in unserem Alltag gegenwärtig, ohne dass wir uns dessen bewusst sind“, erklärt der britische Geologe Michael Welland.

 

Sand wird nicht nur geschmolzen und zu Glas verarbeitet, sondern daraus wird auch Siliziumdioxid gewonnen, das eine wichtige Rolle bei der Herstellung von Wasch- und Reinigungsmitteln, Papier, getrockneten Nahrungsmitteln, Zahnpasta, Kosmetika und anderen Alltagsprodukten spielt. In Sand sind wichtige Mineralien wie Silizium, Titan, Thorium und Uran emthalten, aus denen Mikroprozessoren gefertigt werden, welche die Basis für Computer, Handys und Kreditkarten bilden. Auch für die Herstellung von Transportmitteln wie Flugzeugen ist Sand eine elementare Komponente – von den Triebwerken bis hin zu den Reifen.

 

Der größte Sandbedarf entsteht durch den weltweiten Bauboom, der aus dem Bevölkerungswachstum und der wirtschaftlichen Entwicklung in den Schwellenländern resultiert. Stahlbeton besteht zu einem Drittel aus Zement und zu zwei Dritteln aus Sand. Da Wüstensand nicht zur Betonherstellung geeignet ist, haben Baukonzerne den Sand bisher in Kiesgruben und Flussbetten abgebaut. Doch dieser Vorrat geht langsam zur Neige. Für den Bau eines Hauses werden rund 200 Tonnen Sand benötigt, für einen einzigen Autobahnkilometer sind 30.000 Tonnen Sand  erforderlich. Deshalb hat die Bauwirtschaft den Meeresboden ins Visier genommen. Mit einem einzigen Schwimmbagger lassen sich pro Tag bis zu 400.000 Kubikmeter Sand aus dem Meer saugen, der lukrativ verkauft werden kann. In seiner Doku betrachtet der französische Filmemacher verschiedene Schauplätze rund um den Globus.

 

 

In Marokko führt der illegale Sandabbau unweigerlich zum Verschwinden ganzer Strände. Während in Singapur ungeachtet aller Verbote weiterhin Sand aus den Nachbarländern importiert wird, verschwinden in Indonesien wegen des illegalen Sandabbaus bereits ganze Inseln. Da die eigenen Sandressourcen in Dubai längst aufgebraucht sind, wird dort  für die gigantischen Bauprojekte Sand aus Australien importiert. „Die Baubranche ist für den jährlichen Ausstoß von 2,5 Milliarden Tonnen CO2 verantwortlich”, bilanzierte der französische Architekt und Biologe Timothée Boitouzet Anfang 2017 im Interview mit Green Film Shooting. “Das sind mehr Emissionen, als alle Autos auf der Welt zusammen verursachen.”

 

 

Sand – Die neue Umweltzeitbombe beleuchtet die Machenschaften der indischen Mafia, welche die Bauwirtschaft des Landes kontrolliert, während die eigene Bevölkerung weiterhin in Slums hausen muss. In Frankreich sichern sich Konzerne bereits Standorte in Küstennähe, um dort in den Schutzgebieten Sand vom Meeresboden abzubauen. Die Bürgerbewegung Le Peuple des Dunes hat kürzlich die Gespräche mit dem französischen Industrie-Minister abgesprochen, weil sie sehr enttäuscht sind", berichtet Denis Delestrac. Doch das Bewusstsein für die Problematik des massiven Sandaubbaus  wächst weltweit. Einige Staaten haben inzwischen den illegalen Sandabbau verboten oder erheben eine Abgabe, durch die der natürliche Sand teurer wird. Als eine sinnvolle Maßnahme erweist sich das Recycling von Produkten wie Glas zu fördern, denn der daraus gewonnene Sand lässt sich zur Herstellung von Beton einsetzen. Insofern bleibt es bei dem Motto: Reduce, reuse, recycle!

 

Foto: © Arte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.