Grünes Licht für grünes Kino

Das Grüne Kino nimmt in Deutschland Fahrt aus. Im Rahmen der Veranstaltung Kino 100 Prozent nachhaltig auf der Filmkunstmesse präsentierten verschiedene Kinobetreiber und Initiativen ihre Ansätze. Dr Bernd Huckestein, Umweltmanagementbeauftragter beim Umweltbundesamt, gab eine Einführung in das Thema, das die AG Kino mit der Initiative "Kino natürlich" behandelt.  Als erster Schritt ist ein Fragebogen mit 118 Fragen an die Mitglieder verschickt worden, in dem der Schwerpunkt auf den Handlungsfeldern Ressourcenschutz, Abfallmanagement, Filmprogramm und Mobilität lag. Der internen Erhebung zufolge, planen 19 Prozent der Mitglieder einen Ausbau ihres Kinos, bei dem auch die ökologische Modernisierung eine Rolle spielen soll, wie die Projektkoordinatorin Korina Gutsche berichtete.

 

In Hessen wir bereits seit drei Jahren der Grüne Kinopreis an Filmtheater vergeben, die sowohl Filme zu ökologischen Themen zeigen als auch im laufenden Betrieb bemüht sind, Ressourcen einzusparen. "In diesen drei Jahren haben sich 25 Kinos um diesen Preis beworben", sagt Erwin Heberling, der die Initiative im Film- und Kinobüro Hessen betreut. "Das sind ein Viertel aller Kinos in Hessen."  Währenddessen setzt Elmar Bux, Betreiber des Kino im Waldhorn,  seit neun Jahren  auf die Kompensation von CO2-Emissionen, die in seinem Filmtheater generiert werden. Zu diesem Zweck werden Aufforstungsprojekte in afrikanischen Staaten wie z. B Togo gefördert, was sich der Kinobetreiber rund 1.500 Euro pro Jahr kosten lässt.

 

Nach ökologisch verträglichen Lösungen schauen sich auch diverse Kinos der Cineplex-Gruppe um. "Wir betreiben sieben Häuern in Nordbayern und Thüringen", berichtet Michael Thomas, "die knapp eine Million Besucher pro Jahr haben." Insgesamt verfügt die Cineplex-Gruppe mit ihren 530 Leinwänden über 18 Millionen Besucher pro Jahr. Im April dieses Jahres  hat die Kinogruppe ein eigenes Nachhaltigkeitsprojekt gestartet, das als ein langlaufender Prozess betrachtet wird, da alle Bereiche geprüft werden sollen . "Wir wollen schnell zu Maßnahmen kommen, die einfach umsetzen sind", erklärt Thomas.

 

Mit welchen Maßnahmen sich relativ leicht Ressourcen einsparen lassen, hat Veronika Fläxl, Geschäftsführerin vom Cineplex Neufahrn vorgeführt. Um die Verwendung von Einwegbechern an der Concession-Theke einzusparen, haben sämtliche Mitarbeiter eine wiederverwendbare Retap-Flasche erhalten, welche die Besucher im Kino kaufen und wiederbefüllen lassen können. Eine weitere Maßnahme sieht vor, Werbematerialien in Papierform aus dem Foyer zu verbannen und die Programminformationen auf einem Monitor einzuspielen.

 

Einen Überblick über die vielfältigen Möglichkeiten und Maßnahmen, um Filmtheater umweltfreundlicher zu betreiben, gibt das Grüne Kinohandbuch, das der FFA-Vorstand Peter Dinges und die Autorin Birgit Heidsiek in Leipzig vorgestellt haben. "Wir haben versucht, das Ganze durch die wirtschaftliche Brille zu sehen”, erklärt Dinges.“Klimaschutz im Kino zahlt sich aus , denn Energie zu sparen, bedeutet auch Geld zu sparen.” Bisher ist die Kinoförderung noch nicht entsprechend angepasst worden. Das entspreche nicht mehr einer modernen Förderung, betont Dinges, denn es müsse  genauso über Heizungsanlagen  nachgedacht werden, die zu einem nachhaltigen Betrieb gehörten. “Wir werden uns einer neuen Richtlinie zuwenden, um in Zukunft auch nachhaltige Projekte zu fördern”, unterstreicht der FFA-Vorstand.

 

Die größte Bandbreite an Maßnahmen, die Kinobetreiber vornehmen können, besteht im Bereich der Energieeffizienz. “Dies beginnt mit kostenlosen Maßnahmen wie Anweisungen an die Mitarbeiter, beispielsweise nach Verlassen von Räumlichkeiten das Licht auszuschalten", erläutert Birgit Heidsiek, Autorin des Grünen Kinohandbuchs, "und reicht von kleinen Ausgaben wie Wassersparventilen bis hin zu Investitionen im Millionenbereich für die Installationen eines Blockheizkraftwerks."

 

Immer mehr Kinobetreiber entscheiden sich, ihre Kinos mit Strom aus erneuerbaren Energien zu speisen. In Deutschland ist der Anteil des Ökostroms an der öffentlichen Nettostromerzeugung im ersten Halbjahr 2018 über die 40 Prozent-Marke geklettert. Somit liegt der Anteil an dem Strommix, der tatsächlich aus der Steckdose kommt, bei 41,5 Prozent. Im Umkehrschluss bedeutet das allerdings, dass mehr als die Hälfte des Stroms in Deutschland nach wie vor aus Braunkohle, Steinkohle und Kernenergie generiert wird. Die sauberste Lösung ist daher, eigenen Ökostrom zu erzeugen, was beispielsweise mit Photovoltaik oder Windkraft möglich ist.

 

Während energieeffiziente Maßnahmen nicht immer sichtbar sind, nehmen die Kinogänger an der Concession-Theke unmittelbar wahr, welche Produkte ihnen angeboten werden und wie diese serviert werden. Doch hier gilt, dass Pappe statt Plastik nicht unbedingt umweltverträglicher ist, wenn die gesamte Ökobilanz eines Produktes betrachtet wird. Am nachhaltigsten ist es im Zweifelsfall, einfach auf einen Strohhalm zu verzichten. Zu meiden sind auch Produkte, die beispielsweise Palmöl enthalten.

 

Beim Abfallmangemt gilt der Grundsatz “Vermeiden, wiederverwerten, recyceln". Im Zuge der Kreislaufwirtschaft sollen in Deutschland die Recyclingquoten erhöht werden, was durch strengere Verordnungen und Gesetze umgesetzt werden soll. Schon jetzt sind nach der Gewerbeabfallverordnung alle Gewerbebetriebe in Deutschland nicht nur dazu verpflichtet, ihren Müll zu trennen, sondern dies auch zu dokumentieren. Weitere Informationen dazu gibt es online unter www.grüneskino sowie im Grünen Kinohandbuch.

 

Foto: © GFS / Jens Kaspar/Bali Kino Centr

 

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