Generation Genset

Beim Außendreh von Film- und Fernsehproduktionen ist die Nutzung von Generatoren und Batterien mit gewissen Begrenzungen verbunden. Die Energieversorgung muss stabil, bezahlbar und leise sein. Zudem sollte sie bei unterschiedlichen Lastgängen effizient sein und keine Emissionen generieren. Derzeit werden unterschiedliche Lösungen für die mobile Stromerzeugung entwickelt.

 

Eine emissionsfreie Lösung für verschiedene Anwendungen bieten Brennstoffzellen. Das Grundprinzip basiert auf einer elektrochemischen Reaktion, bei der durch die Spaltung von Wasserstoffgasmolekülen (H2) Wasserstoffionen und Elektronen entstehen. Die Energiegewinnung mit Brennstoffzellen reicht von tragbaren Methanol-basierten Einheiten mit einer Leistung von 1 W bis 150 W über wasserstoffbetriebene Stand-by-Energieeinheiten mit 10kW bis 100kW bis hin zu industriellen Erdgasanlagen mit einer Leistung von 250 kW.

 

Je nach dem Energiebedarf, den die Projekte und Produktionsbedingungen erfordern, gibt es verschiedene Lösungen. Während Batterien nur eine begrenzte Menge Energie liefern, bis sie entladen sind, werden Brennstoffzellen automatisch wieder aufgeladen, sobald die Spannung der Batterie unter ihre Erhaltungsladespannung von 12,5 Volt sinkt. Dies erwies sich als die perfekte Lösung für eine Dokumentarfilmcrew, die für das BBC Programm Winterwatch Wildtiere gefilmt hat. Zwei mit Methanol betriebene Brennstoffzellen, die in Peli-Koffern gesichert waren, lieferten ausreichend Energie, um zwei Remote-Kameras neun Tage lang laufen zu lassen.

 

Größere Anforderungen haben oftmals Filmteams beim Außendreh im Londoner Stadtzentrum. 2019 startet dort ein Pilotprojekt, das es Film- und Fernsehproduktionen ermöglicht, Ökostrom aus dem Festnetz zu verwenden. An zehn zentralen Orten in der City werden entsprechende Festnetzanschlüsse gelegt. Der Waterloo Place gehört zu den ersten Plätzen, wo die Produktionen ihren Strom künftig über einen fest installierten Baustromanschluss aus dem Festnetz beziehen können. „Dadurch lassen sich nicht nur die CO2-Emissionen und Lärmbelästigungen durch die Generatoren reduzieren, sondern auch Treibstoffkosten beim Dreh senken“, sagt Adrian Wootton, Leiter von Film London und der British Film Commission.

 

Eine ambitionierte mobile Energielösung soll in Europa im Rahmen des Everywh2ere Projects entstehen. Ziel dieses auf 6,76 Mio Euro budgetierten EU-Projektes Horizon 2020 ist es, wasserstoffbetriebene Stromgeneratoren zu einem erschwinglichen Preis zu produzieren, die in europäischen Städten eingesetzt werden. An diesem Konsortium sind zwölf Partner aus sechs Ländern beteiligt, zu denen Technologiezentren, Experten für Brennstoffzellensysteme, Wasser- stoffproduzenten sowie ein Bauunternehmen gehören. Ihre Expertise mit Brennstoffzellenanwendungen im Automobilbereich, robusten Stapeln von Brennstoffzellen und Was- serstoffdruckspeichern mit einem geringen Gewicht wird eingesetzt, um mobile Energielösungen zu produzieren. Insgesamt sollen acht Brennstoffzellensysteme mit einer Leistung von 25 kW und 100 kW entwickelt werden.

 

„Die ersten Prototypen werden im Herbst 2019 vorgestellt“, sagt Jacob Bilabel, der mit der Green Music Initiative am Everywh2ere Project beteiligt ist. Ab 2020 sollen die emissionsfreien Stromgeneratoren auf Baustellen, Musikfestivals und anderen Events in ganz Europa zum Einsatz kommen. Die Brennstoffzellenlösung soll auch an Filmsets getestet werden. „Unser Ziel ist, die Wasserstofftechnologie erschwinglich zu machen, so dass sie mit herkömmlichen Generatoren konkurrieren kann.”

 

Fotos: © SFC Energy/Fuel Cell Systems, James Walter

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