{"id":7265,"date":"2021-08-14T11:18:12","date_gmt":"2021-08-14T11:18:12","guid":{"rendered":"https:\/\/greenfilmshooting.net\/blog\/de\/?p=7265"},"modified":"2021-08-14T00:46:14","modified_gmt":"2021-08-14T00:46:14","slug":"ein-grund-namens-gunda","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/greenfilmshooting.net\/blog\/de\/2021\/08\/14\/ein-grund-namens-gunda\/","title":{"rendered":"Ein Grund namens Gunda"},"content":{"rendered":"<p>Es gibt keinerlei Vorgaben, die vorschreiben, dass beim Filmcatering Fleisch serviert werden soll. Dennoch wird dieses Thema immer wieder hei\u00df diskutiert. Ein schwergewichtiges Argument, das dagegen spricht, hei\u00dft <em>Gunda<\/em>. In seinem gleichnamigen schwarzwei\u00dfen Stummfilm f\u00fchrt der russische Kameramann und Filmemacher Victor Kossakovsky den Zuschauern hautnah das Leben eines Schweins auf dem Bauernhof vor Augen: bildlich, ber\u00fchrend, bewunderswert. Als ausf\u00fchrender Produzent von <em>Gunda<\/em> zeichnet der \u00fcberzeugte Veganer Joaquin Phoenix verantwortlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Wie haben Sie diesen Film vorbereitet?<\/em><br \/>\nVictor Kossakovsky: Alles stand und fiel mit unserer Hauptdarstellerin. Mitunter kann es Monate dauern, die richtigen Protagonisten zu finden. In diesem Fall war alles einfach, denn bei Gunda wusste ich sofort, dass sie die Richtige ist. Ich habe sie auf dem Bauernhof in Norwegen entdeckt, den ich als erstes besucht hatte. Gunda war das erste Schwein, dass ich dort entdeckte. Ihr Blick war so ausdrucksvoll, sie sprach f\u00f6rmlich mit den Augen. Als sie auf mich zu kam, sagte ich zu meiner Produzentin Anita Rehoff Larsen: Wir haben unsere Meryl Streep gefunden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Wie sah der Kameraaufbau aus?<\/em><br \/>\nIch habe mir ihren Stall angeschaut und genauso einen Stall mit herausnehmbaren Brettern errichtet, in dem wir Schienen verlegten, um die Kamera 360 Grad bewegen zu k\u00f6nnen. Wir waren bei den Filmaufnahmen drau\u00dfen und haben die Kamera von dort aus gesteuert. Auf diese Weise haben wir Gunda nicht gest\u00f6rt, denn in ihrem Stall befand sich nur die Kameralinse. Sie hat wirklich sehr gut mitgespielt. Selbst bei der Geburt ihrer Ferkel konnten wir hautnah dabei sein. Sie war eine traumhafte Hauptdarstellerin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/greenfilmshooting.net\/blog\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/08\/Kamera.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7268 alignright\" src=\"http:\/\/greenfilmshooting.net\/blog\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/08\/Kamera-300x175.jpg\" alt=\"\" width=\"410\" height=\"239\" srcset=\"https:\/\/greenfilmshooting.net\/blog\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/08\/Kamera-300x175.jpg 300w, https:\/\/greenfilmshooting.net\/blog\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/08\/Kamera-1024x598.jpg 1024w, https:\/\/greenfilmshooting.net\/blog\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/08\/Kamera-768x448.jpg 768w, https:\/\/greenfilmshooting.net\/blog\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/08\/Kamera-630x368.jpg 630w, https:\/\/greenfilmshooting.net\/blog\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/08\/Kamera.jpg 1083w\" sizes=\"auto, (max-width: 410px) 100vw, 410px\" \/><\/a><em>Welches Equipment haben Sie daf\u00fcr verwendet?<\/em><br \/>\nWir haben mit einer Alexa Mini gedreht und ein Optimo Zoom 24-290mm von Angenieux gew\u00e4hlt. Die Alexa Mini ist f\u00fcr Dokumentarfilme perfekt, da sie klein und sehr schnell ist. Um Gunda nicht zu st\u00f6ren, haben wir nur sehr wenig Licht gesetzt, das kaum sichtbar war. Bei diesem Dreh haben wir uns sehr einfacher Mittel bedient und im Stall eine Disco-Kugel aufgeh\u00e4ngt, die angestrahlt wurde, um die vielen dunklen Ecken zu beleuchten. Das hatte den Effekt, dass wir \u00fcberall kleine Lichtpunkte erhielten. Normalerweise dreht sich eine Disco-Kugel, aber wenn sie statisch eingesetzt wird, erzeugt sie \u00fcberall Licht. Das war f\u00fcr uns die optimale L\u00f6sung, weil wir nicht absehen konnten, wo die kleinen Ferkel hinkrabbeln. Zudem wirkte es sehr nat\u00fcrlich, da sich in der Decke des Stalls kleine L\u00f6cher befinden, durch die Licht nach innen f\u00e4llt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Gunda unterscheidet sich stark von den herk\u00f6mmlichen Tierfilmen. Wie sah Ihr Ansatz dabei aus?<\/em><br \/>\nIn den meisten Tierfilmen erkl\u00e4ren uns Menschen etwas \u00fcber die Tiere, so dass wir den Tieren nicht unsere volle Aufmerksamkeit schenken. Ich wollte die Tiere weder besch\u00fctzen, vermenschlichen noch zeigen, wie sie geschlacht werden. Stattdessen habe ich mich entschlossen, die Kamera sprechen zu lassen. Das Kino kann etwas vor Augen f\u00fchren, was wir normalerweise nicht entdecken und uns einen emotionalen Zugang zu einem Thema er\u00f6ffnen. Ich habe mich entschieden, zu den Anf\u00e4ngen des Kinos zur\u00fcckzukehren. Ich wollte zeigen, wie Tiere kommunizieren. Wenn Sie genau hinschauen, sehen Sie, dass Gunda mit uns spricht. Sie kommt sogar auf die Kamera zu. Es war uns schon am ersten Drehtag klar, dass sie sich f\u00fcr die Kamera interessieren und dort hineinschauen wird. Das wollten wir gerne erreichen und genau das ist passiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/greenfilmshooting.net\/blog\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/08\/Ferkel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-7270\" src=\"http:\/\/greenfilmshooting.net\/blog\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/08\/Ferkel-300x163.jpg\" alt=\"\" width=\"431\" height=\"234\" srcset=\"https:\/\/greenfilmshooting.net\/blog\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/08\/Ferkel-300x163.jpg 300w, https:\/\/greenfilmshooting.net\/blog\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/08\/Ferkel-1024x555.jpg 1024w, https:\/\/greenfilmshooting.net\/blog\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/08\/Ferkel-768x416.jpg 768w, https:\/\/greenfilmshooting.net\/blog\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/08\/Ferkel-630x341.jpg 630w, https:\/\/greenfilmshooting.net\/blog\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/08\/Ferkel.jpg 1157w\" sizes=\"auto, (max-width: 431px) 100vw, 431px\" \/><\/a>Warum haben Sie sich entschieden, in Schwarzwei\u00df zu drehen?<\/em><br \/>\nDie Entscheidung, in Schwarzwei\u00df zu filmen, habe ich zum einen getroffen, weil mich das zu den Anf\u00e4ngen des Kinos zur\u00fcckf\u00fchrt. Zum anderen war es unter diesen Umst\u00e4nden passender, weil Farbe sehr dominierend sein kann. Wenn wir Blut in Farbe sehen, wirkt das zu realistisch und lenkt uns nur ab. Da satte Farben unsere Aufmerksamkeit auf andere Dinge lenken, wollte ich keine niedlichen rosa Ferkel zeigen \u2013 obwohl sie sehr s\u00fc\u00df waren, das k\u00f6nnen sie mir glauben. Ich wollte den Zuschauer nicht dazu verleiten, sondern habe sie in Schwarzwei\u00df aufgenommen, damit wir sie auf eine andere Art und Weise wahrnehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Am Ende des Films sucht die Sau nach ihren Ferkeln sucht, die pl\u00f6tzlich verschwunden sind. Wie oft kommt das vor?<\/em><br \/>\nDas geschieht zweimal im Jahr, denn die Ferkel leben in der Regel nur sechs Monate. Danach werden sie geschlachtet. Im Vergleich zu anderen Schweinen lebt Gunda in priviligierten Verh\u00e4ltnissen auf einem sehr gut gef\u00fchrten Hof. Sie lebt dort in Freiheit. Auf anderen Bauernh\u00f6fen sind die Schweine ihr ganzes Leben lang eng eingepfercht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/greenfilmshooting.net\/blog\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/08\/Victor.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7269 alignright\" src=\"http:\/\/greenfilmshooting.net\/blog\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/08\/Victor-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"403\" height=\"268\" srcset=\"https:\/\/greenfilmshooting.net\/blog\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/08\/Victor-300x199.jpg 300w, https:\/\/greenfilmshooting.net\/blog\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/08\/Victor-768x509.jpg 768w, https:\/\/greenfilmshooting.net\/blog\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/08\/Victor-630x418.jpg 630w, https:\/\/greenfilmshooting.net\/blog\/de\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/2021\/08\/Victor.jpg 781w\" sizes=\"auto, (max-width: 403px) 100vw, 403px\" \/><\/a><em>Hat die Massentierhaltung dazu gef\u00fchrt, dass Tiere nicht mehr als Lebewesen wahrgenommen werden?<\/em><br \/>\nIch hoffe, dass den Menschen das auff\u00e4llt. Wir sind sieben Milliarden Menschen auf der Erde und halten eine Milliarde Schweine in engen K\u00e4figen. Hinzu kommen eineinhalb Milliarden K\u00fche, die unter horrorhaften Bedingungen leben und 50 Milliarden H\u00fchner, die ihr ganzen Leben in K\u00e4figen verbringen. Wir qu\u00e4len und t\u00f6ten diese Tiere. Das muss uns bewusst werden, damit wir dem ein Ende setzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Versuchen Sie, den Menschen die Augen daf\u00fcr zu \u00f6ffnen?<\/em><br \/>\nDokumentarfilme sind ein gro\u00dfartiges Mittel, um Realit\u00e4ten zu zeigen, die wir nicht wahrnehmen, sehen wollen oder nicht sehen sollen, damit wir nicht dar\u00fcber nachdenken. Durch meinen Film sollen die Menschen diese Tiere mit anderen Augen sehen, so dass sie realisieren, dass dies Wesen mit Gef\u00fchle sind, die \u00fcber ein Bewusstsein verf\u00fcgen. F\u00fcr mich ist Gunda der pers\u00f6nlichste und zugleich wichtigste Film, den ich als Filmemacher und als Mensch gemacht habe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Fotos: \u00a9 Victor Kossakovsky<\/em><\/p><div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_7265 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_7265')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_7265').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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