Die „Ewigen Chemikalien“ PFAS stecken in beschichteten Pfannen, wasserdichter Kleidung, Feuerlöschschaum. Bei PFAS, den per- und polyfluorierte Akylsubstanzen, handelt es sich um eine Gruppe von tausenden, hauptsächlich künstlich hergestellter Stoffe, die in zahlreichen Anwendungen eingesetzt werden. Aufgrund ihrer feuchtigkeits-, fett- und schmutzabweisenden Barriere-Eigenschaften werden PFAS häufig in Lebensmittelverpackungen verwendet. Die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von PFAS-Beschichtungen reichen vom Pappbecher über den Papierstrohhalm bis hin zum Pizzakarton. Die neue EU-Verpackungsverordnung sieht ab dem 1. Januar 2030 ein Verbot von PFAS-Substanzen in Verpackungen vor, die einen direkten Lebensmittelkontakt haben, aber auch in diversen Lebensmittelverpackungen.
Diese giftigen Chemikalien reichern sich in der Umwelt an und belasten den menschlichen Körper. Einmal freigesetzt, vergiften PFAS Böden, Gewässer und Lebewesen – für Jahrhunderte. Mittlerweile befinden sich PFAS im Trinkwasser, in der Luft und in unserem Blut. Einige dieser Substanzen gelten als krebserregend, andere stehen im Verdacht, das Hormonsystem zu stören oder das Immunsystem zu schwächen.
In dem Dokumentarfilm Gift in unserem Alltag – Die Plage der PFAS, der auf arte.tv zu sehen ist, begleiten Stenka Quillet und Quentin Noirfalisse Betroffene, Wissenschaftlerinnen und Aktivisten, die gegen diese unsichtbare Verseuchung kämpfen. In Italien wurden 2025 mehrere Manager eines PFAS-Zulieferers in einem aufsehenerregenden Prozess zu langen Haftstrafen verurteilt. Im südfranzösischen Salindres schloss der Chemiekonzern Solvay offiziell aus wirtschaftlichen Gründen sein Werk – doch Anwohner und ehemalige Mitarbeiter berichten von massiver Boden- und Grundwasserverschmutzung.
Einer der größten deutschen PFAS-Umweltskandale ereignete sich in der baden-württembergischen Stadt Rastatt. Dort mussten zeitweise die Wasserwerke geschlossen werden, nachdem 2012 durch ein Kompostunternehmen große Mengen von PFAS in die Felder eingebracht wurden. Mehr als 1.000 Hektar Ackerland sind PFAS-belastet. Das lokale Wasserwerk Rauental wurde 2018 mit einer hochtechnischen Aktivkohleaufbereitungsanlage zur PFC-Entfernung ausgestattet. Zudem werden die Brunnen, der Ablauf aller Aktivkohle-Filter und das Trinkwasser monatlich geprüft.
In Deutschland sind im Rahmen der Trinkwasserverordnung erstmals im Juni 2023 Grenzwerte für Stoffe aus der PFAS-Gruppe festgelegt worden. Seit Januar 2026 gelten 0,1 Mikrogramm pro Liter (µg/L) als Summengrenzwert für eine Gruppe von 20 trinkwasserrelevanten PFAS-Substanzen. Für vier spezielle Substanzen aus der PFAS-Gruppe (PFHxS, PFOS, PFOA , PFNA) sieht die Trinkwasserverordnung ab 2028 zusätzlich einen Grenzwert von 0,02 µg/L für die Summe aus diesen Verbindungen vor.
Während in den USA seit Jahrzehnten juristisch gegen PFAS-Hersteller vorgegangen wird, hinkt Europa hinterher. Doch Bürgerinitiativen, kommunale Maßnahmen und neue Forschungsergebnisse erhöhen den Druck auf Politik und Industrie. Im Januar 2023 haben Behörden aus Dänemark, Deutschland, den Niederlanden, Norwegen und Schweden bei der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) ein REACH-Dossier für die Beschränkung von Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) eingereicht. Grundlage für das Beschränkungsvorhaben ergibt sich aus den anhaltenden PFAS-Emissionen in die Umwelt während ihrer Herstellung, der Verwendungsphase und der Abfallphase. Das PFAS-Dossier beinhaltet eine Bewertung der vorgeschlagenen Beschränkungsoptionen im Hinblick auf die durch sie erreichbare Risikominderung. Dabei wird auch die Verfügbarkeit von Alternativen sowie die Umsetzbarkeit und Überwachbarkeit der Beschränkungsoptionen berücksichtigt.
Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat im laufenden PFAS‑Beschränkungsverfahren einen Meilenstein erreicht. Sowohl der Ausschuss für Risikobewertung (RAC) als auch der Ausschuss für sozioökonomische Analyse (SEAC) unterstützen eine EU‑weite Einschränkung der Herstellung, des Inverkehrbringens und der Verwendung von PFAS. Allerdings halten sie gezielte Ausnahmen für notwendig, wenn Alternativen fehlen oder ein Verbot unverhältnismäßige Nachteile verursacht. Zum Entwurf des SEAC‑Gremiums hat die ECHA eine öffentliche Konsultation gestartet, die bis zum 25. Mai 2026 läuft. Doch selbst wenn die Produktion gestoppt wird, verbleiben die bereits freigesetzten Chemikalien in der Umwelt und belasten Böden, Gewässer und Lebewesen noch für Jahrhunderte.
Fotos: © Brotherfilms et Dancing Dog Productions














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