Vertikale Visionen

Mit dem Microdrama werden das klassische Storytelling und die Produktionsprozesse revolutioniert. Das neue Serienformat erfordert einen Plot mit rasanten Wendungen und einen Cliffhanger, damit der Binge Watching-Effekt greift. Die kurzen, kompakten Episoden im vertikalen Format sind an die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne bei Online Videos angepasst, die im Schnitt bei 2,7 Minuten liegt.

 

Dieses flotte Format begeistert nicht nur in China ein Milliarden-Publikum, sondern der boomende Microdrama-Markt hat inzwischen auch die Streaming-Dienste und Studios in Hollywood erreicht. In Europa setzen die Black Forest Studios auf die Produktion dieser dramatisch verdichteten Serien, die sehr effizient an fest eingerichteten Sets oder on Location gedreht werden.

 

„Die Produktion ist wesentlich energieschonender als herkömmliche Formate, da wir viel mit vorhandenem Licht und kleineren Einheiten arbeiten“, erklärt Sebastan Weilland, Produzent und CEO der Black Forest Studios. Die Film-Crew bei einem Microdrama besteht in der Regel aus zwölf bis fünfzehn Personen und wenigen Schauspielern. Im Vergleich zu den klassischen Reiseproduktionen mit sechzig bis achtzig Team-Mitgliedern, die durch Deutschland oder Europa touren, fällt der CO2-Fußabdruck entsprechend gering aus.

 

„Da wir eine Microdrama-Serie mit ein- bis zweiminütigen Folgen auf einem wesentlich kleineren Level produzieren, sind die Turnarounds viel schneller“, erläutert der Studio-Chef. „Wir drehen sechzig bis achtzig Folgen innerhalb von zwölf bis fünfzehn Tagen.“ Die Drehbuchentwicklung erfolgt im Writers Room mit mehreren Autoren. „Microdrama ist die Netflix-Serie für die TikTok-Generation“, sagt Studio-Co-Founder und Creative Director Nina Gwyn. „Damit reagieren wir auf die veränderte Mediennutzung und bringen europäisches Storytelling direkt auf’s Smartphone.“

 

 

Das vertikale Format erfordert eine andere Herangehensweise bei der Bildgestaltung. Dieser Aspekt muss bereits beim Drehbuchschreiben
berücksichtigen werden, da ein vertikal gefilmtes Set oder eine Landschaft sich erheblich von klassischen Filmbildern unterscheiden. Die ressourcenschonende Herstellungsweise schlägt sich entsprechend im Budget nieder. Während die Produktionskosten einer herkömmlichen Serie zwischen eineinhalb und zehn Millionen Euro liegen, beläuft sich der Etat einer Microdrama-Serie auf 200.000 bis 300.000 Euro. In China und den USA wird dieses audiovisuelle Format per App auf zahlreichen Plattformen angeboten.

 

Um den kompletten Produktions-Workflow inklusive eigener Streaming-App zu entwickeln, hat der Studio-Inhaber ein internationales Experten-Board zusammengestellt, dem auch der House of Cards-Schauspieler Boris Kodjoe angehört. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, höherwertigen Content zu Themen zu produzieren, die Europäer interessieren“, betont Weilland. Die Black Forest Studios haben bereits 2021 mit dem Dreh der Oscar-gekrönten Doku des russischen Oppositionellen Alexej Nawalny die internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

 

Fotos: © Black Forest Studio

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