Die Illusion von einem grünen Garten

Der britische Filmemacher, Futurist und Medientechnologie-Autor Maxim Jago arbeitet an dem ersten nachhaltig produzierten Virtual Reality-Vorhaben. Jolie‘s Garden handelt von einer Achtzehnjährigen, die ihr gesamtes Leben in einem künstlichen unterirdischen Garten verbracht hat.

 
Jolie‘s Garden ist ein packender psychologischer Thriller“, erklärt der Regisseur, der für sein Drehbuch ein Theaterstück seines verstorbenen Vaters Malcolm Hobbins adaptiert hat. „Es gibt zwei Geheimnisse, die Jolie niemals erfahren darf“, verrät Jago. „Der komplette Garten ist künstlich: Das Gras ist aus Plastik, die Rosen aus Samt und der Wasserfall aus verdrahteten Glasscherben. Jolie ist blind, aber sie weiß das nicht. Keiner hat ihr jemals erzählt, dass Menschen sehen können. Jolie ist glücklich, hat aber keine Ahnung, dass sie eingesperrt ist.“

 

 
Als eines Tages zufällig ein junger Mann in den Garten kommt, muss sich Jolies Vater entscheiden, ob er ihn gefangen halten oder töten will. „Jede Figur in dieser Geschichte ist auf eine andere Art wahnsinnig, nur das Mädchen nicht“, erläutert Jago, der das Drehbuch einer Psychiaterin in New York vorgelegt hat. „Sie hat bestätigt, dass die Psychosen der verschiedenen Figuren durchaus zusammenpassen.“

 

Das Kammerspiel Jolie‘s Garden soll mit fünf Darstellern an einem einzigen Motiv gedreht werden. „Wir müssen keine Personen an andere Orte bringen. Die Geschichte spielt in Echtzeit. Es gibt kaum Kostümwechsel. Und keinerlei Explosionen“, betont Jago, der bei dieser Produktion den grünen Grundsätzen folgen will, was sich sowohl zeitlich als auch hinsichtlich der Energieeffizienz auszahlt. Anstatt diverse Scheinwerfer am Set aufzubauen, die für jede Einstellung neu  zu justieren sind, werden die Leuchten fest an eine Aufhängung montiert. „Der Licht-Rig ist Teil der Story und gehört zur Vorgeschichte des Vaters, der diesen Garten kreiert hat”, so Jargo. „Die Umgebung ist der sechste Darsteller in dieser Geschichte.”

 

Der riesige Garten besteht aus sieben Bereichen, die sich durch ihre unterschiedlichen Umgebungen unterscheiden: ein verschlungener Dschungel, Unterwasserwelten mit Tiefseebewohnern, schwarzer Island-Sand und gelb schimmernder Schilf. Die Stimmung und Atmosphäre der Geschichte wird durch das Set- und Sound-Design geprägt. „Das Summen der Bienen und das Vogelgezwitscher kommt aus im Boden eingebauten Lautsprechern. Es gibt sie nicht, aber wir können sie hören.“

 

Der Kinofilm Jolie‘s Garden soll in 4K-Auflösung gedreht werden. Zudem entsteht eine 360°-Fassung für Virtual Reality-Anwendungen. „Die Realität selbst ist jetzt unser Medium. Die Beziehung, die wir zur Realität haben, ist begrenzt. Wir verstehen nicht den Unterschied zwischen Erfahrung, Erinnerung, Vorstellung oder Traum”, sagt Jago, der bezweifelt, dass das menschliche Bewusstsein Zeit und Raum wirklich versteht. „Traum ist für das menschliche Bewusstsein Realität ohne das Physische. Wir können überall hinspringen, wir können uns zeitlich vorwärts oder rückwärts bewegen und sind uns dabei nicht bewusst, dass wir träumen. Ich nenne das Den Gedankengang des Bewusstseins. In unseren Träumen werden von unserer Neugier getrieben. Als Filmemacher verfügen wir über das Privileg, dass wir die Neugier des Publikums wecken können. Wir geben vor, was das Publikum als nächstes sehen wird”, resümiert der Regisseur. Mit einem Virtual Reality-Headset haben die Zuschauer die Möglichkeit, in jede beliebige Richtung zu schauen.”

 

 

In diesem Fall besteht die gesamte Welt aus einem wunderschönen grünen Garten. Dieser ist nur eine perfekte Illusion, aber die grüne Produktion wird real sein.

 

Fotos: Razaka Firmager/ Edo Brugué

 

 

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