Nachhaltiges Kino in Venedig

Bei der 76. Ausgabe der Internationalen Filmfestspiele in Venedig gab es eine Reihe von Events rund um das Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Den Auftakt bildete die Doku The Great Green Wall, die als Weltpremiere in der unabhängigen Reihe Venice Days vorgestellt wurde. Der Film begleitet Aktivisten, die auf einer Strecke von 8.000 km Bäume in der Sahel-Zone pflanzen. Ein Teil dieser großen grünen Mauer, mit der Afrika sich gegen den Klimawandel rüstet, ist bereits dabei zu wachsen. Der ausführende Produzent dieses Film. der beim U.N. Klimaaktionsgipfel am 23. September in New York gezeigt werden soll, ist Fernando Meirelles, Regisseur der Oscar-nominierten Filme City of God und Der Ewige Gärtner.

 

Sustainability in Action war das Motto des Think Tanks, zu dem die Sardegna Film Commission in Zusammenarbeit mit Connect for Climate, Green Cross Italy, Green Film Shooting, der Italian Film Commission und ANICA einlud. “Wir setzen uns seit vielen Jahren dafür ein, einen richtigen Transformationsprozess voranzubringen”, sagt Nevina Satta, Chefin der Sardegna Film Commission. “Die regionalen Filmförderungen können Einfluss auf Vebesserungen und die neue Rahmenbedingungen für die audiovisuelle Branche nehmen, um die Lebensqualität in unseren Kommunen zu verbessern. Als öffentliche Einrichtung haben wir einen Auftrag. Wir sind davon überzeugt, dass jede Institution, Produktionsfirma, jedes Individuum und jeder aktiver Bürger Teil eines Mosaiks ist, dass  – wie Greta Thunberg es ausdrückt –  in Flammen steht."

 

Der Green Drop Award wird jedes Jahr in Venedig an einen Film veliehen, der sich durch ein nachhaltiges Umweltkonzept ausgezeichnet. In diesem Jahr wurde die grüne Trophäe an den Venedig-Wettbewerbsbeitrag J’accuse von Roman Polanski verliehen. Da der Regisseur nicht nach Venedig kommten konnte, wurde der Preis seinem Regiekollegen Terry Gilliam übergeben. Der Green Drop Award ist der italienische Ableger des Global Green Awards, der 1996 von dem russischen Präsidenten Gorbatschow ins Leben gerufen worden ist.

 

Währenddessen hat sich die Initiative Film4Climate zum Ziel gesetzt, zum einen die Auswirkungen von Filmproduktionen auf die Umwelt zu reduzieren und zum anderen über das Kino ein stärkeres Bewusstsein für dn Klimaschutz zu vermitteln. “Botschaften, die in die Geschichten eingewoben sind, haben die Macht, unsere Überzeugung zu ändern und uns emotional zu erreichen”, erklärt Giulia Camilla Braga, Programmchefin von Connect4Climate. Zu ihren Aktivitäten gehört ein weltweiter VR Pitching-Wettbewerb.  Der Virtual Reality Gewinner-Film X-Ray Fashion ist 2018 beim VR-Event in Venedig vorgestellt worden. X-Ray Fashion, der dank der physischen Installationen ein komplett immersives Filmerlebnis bietet, zeigt ungeschönt die Schattenseiten der Textilproduktion, welche gigantische Umweltschäden verursacht.

 

Welche negativen Auswirkungen eine Filmproduktion auf die Umwelt hat, erklärte die Green Film Shooting-Gründerin Birgit Heidsiek, die Maßnahmen aufzeigte, mit denen sich Filme umweltfreundlicher produzieren lassen. Während eine Filmproduktion mit einem Drehbuch beginnt, dessen Umsetzung und Dreh geplant und ausgeführt wird, bis der Film abgedreht ist, sind Kinos grundsätzlich nachhaltiger, da jede getätigte Investition ins Gebäude einen langfristige Wirkung besitzt.

 

Sustainable Screens war das Thema einer Konferenz im Italian Pavilion im Hotel Excelsior. Bei dieser Veranstaltung brachte die Sardegna Film Commission in Zusammenarbeit mit dem Green Cross Italy und Green Film Shooting verschiedene Akteure aus dem Bereich erneuerbare Energien wie Gestore Servizi und Ordinedegli Ingegneri di Cagliari sowie dem führenden italienischen Kinoverband zusammen. Die verschiedenen Maßnahmen, die umgesetzt werden können, um einen Kinobetrieb umweltfreundlicher zu betreiben, stellte Birgit Heidsiek vor, die im Auftrag der Filmförderungsanstalt (FFA) Das Grüne Kinohandbuch produziert hat. Das Grüne Kinohandbuch zeigt bestehende Anforderungen und gesetzliche Rahmenbedingungen auf, die jedes Unternehmen unabhängig von der Branche erfüllen muss und durch welche Manahmen sich diese lösen lassen. Das Grüne Kinohandbuchs stellt zudem zahlreiche Maßnahmen vor, die Kinobetreiber bereits erfogreich in den Handlungsfeldern Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Concession und Abfallmanagement umgesetzt haben. Um den Erfahrungsaustausch unter den Kinobtreibern anzukurbeln, werden im Buch über fünfzig Best Practice-Beispiele vorgestellt.

 

In weiten Teilen der Bevölkerung gibt es bereits ein wachsendes Bewusstsein, dass mehr für den Klimaschutz unternommen werden muss. Zum Abschluss der Internationalen Filmfestspiele in Venedig versammeltn sich hunderte von Aktivisten auf dem roten Teppich vor dem Palazzo del Cinema und rollten ihre Banner aus. Mick Jagger und Donald Sutherland, die in dem Abschlussfilm The Burnt Orange Heresy mitspielen, unterstützen die Klimaaktivisten. "Ich bin froh, dass die jungen Menschen hier demonstrieren, weil sie sind es, die unseren Planeten erben," sagte Jagger. Die Organisation The Venice Climate Camp hatte eine eindeutige Botschaft: “Die Erde brennt. Es wird Zeit, aktiv zu werden, wirkungsvolle Maßnahmen zu ergreifen und für eine soziale und ökologische Gerechtigkeit zu sorgen."

 

 

 

Fotos: © GFS/ La Biennale di Venezia; Video: Global News

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.