Zeit für die Agrarwende

Ein Veggie-Day am Filmset ist inzwischen mehr oder weniger Standard, aber Bio-Lebensmittel sind für das Catering einer ganze Crew in der Regel zu teuer. Den wahren Preis für Pestizid-belastete Lebensmittel zahlen wir jedoch mittel- und langfristig in Form einer zunehmenden Umweltbelastung von Böden, Flüssen und Meeren, dem Verlust der Artenvielfalt und am Ende der mit unserer Gesundheit. Auf der „Wir haben es satt!“-Demo in Berlin forderten rund sechzig Organisationen eine gemeinwohlorientierte Agrarpolitik von der Bundesregierung.

 

"Wir zeigen Haltung – ob als Landwirtin, die im Stall und auf dem Acker anpackt, oder als Verbraucher, der gesunde und nachhaltig erzeugte Lebensmittel wertschätzt. Die schwarz-rote Bundesregierung macht eine Agrarpolitik von vorgestern und gefährdet unsere Zukunft. sagte Jan Greve, Sprecher des „Wir haben es satt!“-Bündnisses. “Wir erinnern sie an ihre Verantwortung.“

 

Das Bündnis verurteilt die agrar- und ernährungspolitischen Rückschritte der Bundesregierung. Die Koalition aus Union und SPD hat die Förderung einer besseren Tierhaltung gestrichen und verschleppt die Einführung einer staatlichen Tierhaltungskennzeichnung. Mit dem Verwässern des Düngerechts gefährdet sie den Schutz unseres Trinkwassers. Zudem schaut die Bundesregierung nur zu, wenn in der EU die Deregulierung von Gentechnik und Pestiziden vorangetrieben wird.

 

„Während gesetzliche Standards bei Pestiziden, Überdüngung oder Gentechnik gesenkt werden, zementiert Minister Rainer mit seiner Politik die industrielle Fleischproduktion für den Weltmarkt.”, erklärt die Greenpeace-Akteurin Anne Hamester. Er verschleppt und verwässert die staatliche Tierhaltungskennzeichnung und stampft das Förderprogramm für bessere Tierhaltung ein. Diese Politik ignoriert die Klimakrise und die Not der Höfe gleichermaßen. Wir fordern einen Kurswechsel für eine zukunftsfähige Landwirtschaft.“

 

Klimakrise, Höfesterben und Biodiversitätsverlust lassen sich nicht aufhalten, wenn eine Politik im Interesse der Agrarindustrie, während den Bauern weiterhin keine fairen Preise gezahlt werden und Verbraucher*innen für Lebensmittel im Supermarkt immer tiefer in die Tasche greifen müssen.

 

„Wenn das Europaparlament und die Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten jetzt nicht handeln, werde ich in Zukunft keine gentechnikfreien Lebensmittel mehr erzeugen können”, warnt Bärbel Endraß, Vertreterin des Aktionsbündnisses gentechnikfreie Landwirtschaft Baden-Württemberg “Alle Schutzmaßnahmen vor Gentechnik-Verunreinigungen sollen abgeschafft werden, ebenso wie unsere Haftungsregelungen und die Kennzeichnungspflicht bis zum Endprodukt. Dadurch würden Wahlfreiheit und wertvolle Märkte zerstört, alleinige Profiteure wären die Gentechnik-Konzerne. Haltung zeigen: Dieser inakzeptable Gesetzesentwurf muss und kann gestoppt werden!"

 

In der Kritik steht auch das Handelsabkommen zwischen EU und Mercosur, das den Preisdruck für Bauern auf beiden Seiten des Atlantiks verschäft. Wie bei der von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer vorgestellten Exportstrategie setzt die Bundesregierung nicht auf nachhaltig erzeugte Qualität, sondern auf die Produktion billiger Massenware für den Weltmarkt. Damit trägt das Abkommen zu mehr Abholzung, Ausbeutung und Umweltzerstörung in Ländern des Globalen Südens bei.

 

Fotos:© Aktionsbündnis "Wir haben es satt"

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