Ein ungleicher Wettbewerb

Für europäische Hersteller ist es oftmals  eine Herausforderung, mit Anbietern aus China zu konkurrieren, die ihre Produkte günstiger produzieren können, da diese nicht zur Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards verpflichtet sind. Fabio DeSisti, Chef des italienischen Herstellers DeSisti Lighting, spiricht im Green Film Shooting-Interview über europäische Sicherheit und Qualitätsstandards.

 

Wie sieht die grüne Politik von DeSisti aus?
Wir engagieren uns schon lange. Bei der Entwicklung der LED-Beleuchtung haben wir die gleichen Metallformen von den Glühlampen verwendet, die wir seit vierzig Jahren vertreiben. Deshalb passen unsere LED-Lösungen perfekt in die Gehäuse der alten Glühlampen. Wir bieten Nachrüstungen an, mit denen Glühlampen auf LED umgerüstet werden können. Es gehört zu unserer Geschäftpolitik, dass wir beim Kauf neuer Beleuchtung die alten Lampen in Zahlung nehmen und wiederverwenden. Rund 98 Prozent der alten Lampen erhalten neue LED-Fassungen. In den alten Lampen ersetzen wir nur die Lampenfassung sowie den Reflektor. Sie dienen uns als Ersatzteile, daher entsorgen wir sie nicht. Mit dieser Art von Lösung decken wir viele Bereiche ab, was über die Nachrüstung hinausgeht.

 

Was bewirkt die Umstellung von Glühlicht auf LED energetisch?
Der Stromverbrauch sinkt um etwa 80 bis 90 Prozent. Hinzu kommen sekundäre Effekte in Form zusätzlicher Einsparungen wie bei der Klimatisierung, denn bei Glühampen werden 90 bis 93 Prozent der zugeführten Energie in Wärme umgewandelt, während sich die Wärmeumwandelung bei LEDs auf nur knapp 70 Prozent beläuft. Bei der Nutzung von LED-Lampen, deren Stromverbrauch im Vergleich zu Glühlampen nur ein Zehntel beträgt und die Wärme somit nur 70 Prozent dieses Zehntels, werden nur 0,7 Prozent der Energie in Wärme umgewandelt. Früher lag dieser Wert bei 9,2 bis 9,3 Prozent.

 

Woher beziehen Sie Ihre Rohstoffe?
Wir sind ein echter europäischer Lieferant. Unser Ziel ist, mit den gleichen Bezugsquellen und Komponenten zu arbeiten. Einige Lieferanten liefern uns genau die Lösungen, die wir benötigen. Wir haben auch neue Anlagen. In einer Produktionsstätte werden die elementaren Rohstoffe bezogen, die nur außerhalb Europas verfügbar sind und für die Komponenten verwendet.

 

Werden künftig weniger Produkte in China hergestellt?
Früher sind chinesische Produkte nicht nur als Rohstoffe, sondern auch als Anwendungen nach Europa gekommen. Es war eine regelrechte Invasion. In letzter Zeit realisieren die Chinesen die sehr hohen Transportkosten sowie weitere Probleme wie Zölle. Wir betrachten das als Chance, mit einigen Komponenten Anwendungen zu entwickeln, die bisher von Lieferanten aus anderen Teilen der Welt kommen. Wir prüfen derzeit, wie sich dies professionell mit korrekten Zertifizierungen und unter Einhaltung der Sicherheits- und Qualitätsstandards umsetzen lässt.

 

Wie können sich europäische Hersteller gegen chinesische Konkurrenten schützen?
Ich bin mir nicht sicher, ob der europäische Markt streng vor chinesischer Konkurrenz geschützt werden kann. Das ist eine komplizierte Angelegenheit. Handelskriege sind schwierig zu führen. Zum Beispiel beträgt das Gehalt eines Arbeiters in China ein Zehntel von dem, was ein Arbeiter in Deutschland verdient. Das lässt sich nicht ändern, solange akzeptiert wird, dass die Produkte für den Export in Sklavenarbeit hergestellt werden. Wenn es einem Land erlaubt ist, Sklaverei zu praktizieren,und es einen freien Markt für diese Produkte gibt, dann haben wir versagt. Ein Wettbewerber, der sich nicht an die gleichen Regeln hält, kann sein Produkt zu viel günstigeren Preisen anbieten, wenn er die Sicherheit ignoriert.

 

Wie gehen Sie damit um?
Wir sind insofern dagegen geschützt, da unsere Kunden bestimmte Ansprüche haben. Die Standardisierung bestimmter Produkte ist sehr wichtig, um Ersatzteile zur Verfügung stellen zu können. Einige chinesische Unternehmen halten ihre Produkte nicht instand, sondern ersetzen sie einfach. Wir möchten uns aktiv beteiligen, indem wir die Konzepte der besten umweltfreundlichen Praktiken, Sicherheit, Leistungsfähigkeit und Effizienz anwenden.

Foto: © GFS

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