Der grüne Weg zum Erfolg

Mit der drastischen Senkung ihres CO2-Fußabdruckes setzt Bavaria Film neue Maßstäbe in der internationalen Studiolandschaft. Dank der Stromversorgung durch regenerative Wasserkraft und Wärmeversorgung über Geothermie sind die Emissionen am Standort und in der Produktion seit 2011 sukzessive verringert worden. Der Geschäftsführer der Bavaria Studios & Production Services, Achim Rohnke, zieht Bilanz.

Wie sieht die aktuelle Klimabilanz der Bavaria Film aus?
Unsere Klimaschutzstrategie zur CO2-Vermeidung und –Reduktion, basierend auf dem so genannten Corporate Carbon Footprint, setzen wir gemeinsam mit der Klimaschutzberatung Climate Partners um. Nach der jüngsten Bilanz konnten wir unseren ökologischen Fußabdruck im Zeitraum von 2011 bis 2014 um fast 97,5 Prozent verkleinern.

Welche Maßnahmen mussten dafür realisiert werden?
Als Film- und TV-Studio setzen wir auf die konsequente Reduzierung von Treibhausgasen. Unsere Philosophie der Nachhaltigkeit zieht sich quer durch alle Bereiche vom Studiobetrieb über sämtliche Gewerke bis hin zur Produktion. Unser Bavaria Studios Art Department ist als Vorzeigebetrieb für niedrigen Energieverbrauch konzipiert. Die Dächer der beiden Dekobau-Hallen sind mit Solaranlagen ausgestattet, die uns mit Energie versorgen. Die Restmaterialien, die im Dekobetrieb beim Sägen und Hobeln anfallen, werden in einem Silo gespeichert. Sie werden in der kalten Jahreszeit für die Heizung und Energieversorgung des Betriebs verwertet, wenn keine Sonne scheint.

Studio BavariaWie sah das Konzept für die Energiewende aus?
Im ersten Schritt ging es um Maßnahmen der Energieumstellung wie Wärmeversorgung aus Tiefen-Geothermie, der Umstellung der Stromverträge auf regenerative Wasserkraft sowie den sukzessiven Ausbau der Dachflächen mit Solaranlagen. Hinzu kommen auch weiterhin viele kleine effizienzfördernde Umrüstungen, die unter anderem im Rahmen des Ökoprofit-Projekts der Stadt München erfolgen. Dazu gehören beispielsweise die Zentralisierung der Klimaversorgung, die Modernisierung der Beleuchtung auf dem Gelände sowie die sukzessive Umrüstung auf LED in den Studios. Wir haben gerade das Studio 8 als Webvideo-Studio für junge Youtuber neu eröffnet. Es ist – wie auch unsere Produktionssuiten in Berlin – komplett mit LED-Leuchtmitteln ausgerüstet. Die FTA Film- und Theater-Ausstattung bemüht sich um attraktive Angebote, um das Konsumverhalten der Produktionen zu beeinflussen. Denn mieten ist nachhaltiger als kaufen.

Gr6_328c KopieWie sieht dabei das Verhältnis von Ökonomie und Ökologie aus?
Ökologie und Ökonomie stehen bei uns im Sinne der Green Economy nicht im Widerspruch zueinander, denn durch Maßnahmen wie die Umstellung auf LED oder die Versorgung durch eine zentrale Klimatechnik sinken auch die Kosten für Strom, Wasser und Heizung. Natürlich war es zunächst eine investive Frage, diese Maßnahmen sowie die Umrüstung auf Solarenergie vorzunehmen. Die Umstellung auf Geothermie hätten wir ohne die Partnerschaft mit der Gemeinde Grünwald nicht realisieren können. Beim Stromeinkauf setzen wir auf Strom aus Wasserkraft.

Sind damit alle Produktionen auf Ihrem Studiogelände automatisch grün?
Von den geschilderten Maßnahmen profitieren sämtliche Produktionen, die bei uns entstehen. Jede Produktion in den Bavaria Studios – egal ob Reihe, Serie oder große Show – spart automatisch bis zu 70 Prozent Emissionsausstoß ein.
Ist das ein Wettbewerbsvorteil?
Michael „Bully“ Herbig war es zum Beispiel sehr wichtig, seine Sitcom Bully macht Buddy an einem klimaneutralen Standort zu produzieren. Das grüne Produzieren nahm bei uns seinen Anfang mit dem Wetter im Ersten. Mit Sturm der Liebe produzieren wir seit zwei Jahren die erste klimaneutrale Soap in Deutschland. Wir können für die Produktionen eine CO2-Bilanz erstellen, anhand derer sich feststellen lässt, in welchen Bereichen durch Zertifikate der Emissionsausstoß ausgeglichen werden kann. Derzeit führen wir Gespräche mit sämtlichen am Standort Geiselgasteig ansässigen Produktionen. Sie stehen dem grünen Produzieren sehr aufgeschlossen gegenüber.

Fungiert die Bavaria Film als ein grünes Vorbild?
Wir leben unsere Philosophie. Mit unseren grünen Leitlinien wenden wir uns an die Mitarbeiter in den Büros, im Studio und unterwegs. Wir verfügen sogar über eine Elektro-Tanksäule, an der Mitarbeiter und Kunden ihr Elektroauto aufladen können. Wir beraten auch gerne Produzenten, die vom klimaneutralen Studiostandort Bavaria profitieren möchten. Doch Bereitschaft und Motivation müssen aus ihnen selbst heraus kommen.

 

Studio8_2Zu den jüngsten internationalen Produktionen in den Bavaria Filmstudios gehörte der Snowden-Film von Oliver Stone. Legen die Hollywood-Produzenten mehr Wert auf Nachhaltigkeit?
Oliver Stone fand unsere Green-Studio-Philosophie interessant. Für Kevin Costner war sie ein sehr großes Thema. Das zeigt die Bandbreite an Meinungen, die es in Hollywood diesbezüglich gibt. Zuletzt habe ich das auch auf einer Delegationsreise zum AFM festgestellt. Gleich unser erster Termin führte zu Lucasfilm, deren Firmengebäude komplett aus recycelten Materialien besteht. Wir werden ähnlich vorgehen. Kommende Bauprojekte werden anhand einer speziellen Projektskizze nach ökologischen Maßstäben ausgerichtet. Während meiner USA-Reise habe ich zudem gelernt, dass wir mit unserem grünen Produktionsstandort einen echten USP besitzen, den wir noch deutlicher in die Branche hineintragen müssen. Wir werden das künftig noch stärker kommunizieren und den Produzenten auf unseren Angebots- und Rechnungsformularen aufzeigen, wie viele Emissionen sie bei uns einsparen können oder eingespart haben. Wir glauben, dass die Green Economy ein Weg ist, der in Produktionswirtschaft Film und Fernsehen zum Erfolg führt.

Das Interview führte Bernd Jetschin

  1. Ist wirklich interessant wie die Grüne Energie in immer mehr Bereich Einzug finden. Das Webvideos oder Unternehmensvideo auch mit Grüner Energie gedreht werden finde ich sehr gut.

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