Kreativität durch Kreislaufwirtschaft

Der Einsatz von Ökostrom, Müllvermeidung sowie regionale Speisen und Getränke gehören nicht nur bei Filmproduktionen zu den Best Practices. Die Berlinale ergreift hinter den Kulissen zahlreiche Maßnahmen, um das Festival so klima
neutral wie möglich zu veranstalten. „Wir zeigen nicht nur verschiedene Filme, die umweltfreundlich produziert worden sind, sondern wir gehen selbst mit gutem Beispiel voran”, erklärt der Festivaldirektor Dieter Kosslick, der in seinem letzten Jahr als Berlinale-Chef eine ganz besondere Weltpremiere präsentiert. „Zum ersten Mal in der Geschichte der Berlinale rollen wir einen roten Teppich aus, der grün ist. Er besteht aus einem Garn, das aus alten Fischernetzen gewonnen worden ist.“

 

Dem roten Teppich vor dem Berlinale Palast, über den zehn Tage lang international bekannte Stars aus der ganzen Welt schreiten, ist seine Herkunft allerdings nicht anzusehen. Der neue Walk of Fame-Carpet der Berlinale besteht zu 100 % aus recyceltem Polyamid. Als Rohstoffe dafür dienen Industrie-Abfälle und ausgediente Fischernetze, die sonst auf der Mülldeponie landen oder die Meere belasten würden. Das recycelte Polyamid weist eine erheblich bessere Ökobilanz als herkömmliches Garn auf: Bei der Produktion wird der Wasserverbrauch um 15 % reduziert, es entstehen 85 % weniger CO2-Emissionen und 80 % weniger organische Abfälle.

 

Bei der Herstellung werden alle anfallenden Rohwarenreste gesammelt, getrennt und wieder dem Produktionskreislauf zugeführt. Für die ressourcenschonende Produktion der Teppiche ist eine neue Maschinentechnik entwickelt worden, mit der sich der Materialeinsatz minimieren lässt. Zudem sind die Recycling-Teppiche komplett frei von gesundheitlich bedenklichen Inhaltsstoffen wie PVC, Bitumen oder Latex, was dem deutschen Hersteller das Umweltsiegel Blauer Engel eingebracht hat.

 

Zu den Wettbewerbsregisseuren, die zum ersten Mal auf diesen Teppich treten dürfen, gehört der preisgekrönte Hamburger Filmemacher Fatih Akin, der auf der Berlinale bereits 2004 einen Goldenen Bären abgeräumt hatte. Für die Produktion seines neuen Berlinale-Beitrags Der Goldene Handschuh hat das Filmteam auf ressourcenschonende Maßnahmen beim Catering, Transport und
Production Design gesetzt.

 

Einige Berlinale Talents betrachten es sogar als eine künstlerische Herausforderung, sämtliche Kulissen aus recycelten Materialien zu bauen. Die New Yorker Filmemacherin und Production Designerin Rocio Gimenez hat aus über 370 Pappe ein beeindruckendes Set mit Möbeln, Teppichen, Tapeten und Requisiten kreiert. Währenddessen baut der junge Set-Designer Ming Jen Hsieh aus Taiwan Filmkulissen aus Treibholz, das dort am Strand angespült wird. Die Kreislaufwirtschaft, die bei einigen Filmemachern aus Kostengründen erfolgt, fördert auch die Kreativität.

 

Fotos:@ EFP/ Areti Kominou /Healthy Seas mit freundlicher Genehmigung von Carpet Concept

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