Nachhaltigkeit am Set und im Studio

In Frankreich nimmt der Einsatz von nachhaltigen Produktionspraktiken Fahrt auf. Filmstudios investieren in energieeffiziente Maßnahmen, um ihren CO2-Fußabdruck sowie ihre laufenden Kosten zu senken. Studiochefs sorgen für eine Wiederverwertung von Dekomaterial, während Öko-Berater die Umsetzung grüner Produktionspraktiken unterstützen.

 

„Die grüne Produktion befindet sich im Aufwind“, konstatiert Joanna Gallardo, Koordinatorin des Ecoprod-Kollektivs, das die nachhaltige Produktion in Frankreich aus der Taufe gehoben hat. Dank der Mitglieder wie dem französischen Filmförderungsinstitut (CNC), der Île-de-France Film Commission, den Sendern TF1 und France Télévisions, der Agentur für Umwelt- und Energiemanagement (ADEME), dem Film Commission-Verband Film France, dem Pôle Média du Grand Paris sowie dem französischen Filmtechnikverband (CST) erreicht Ecoprod mit seinen Arbeitsmitteln und Workshops die Branche.

 

Seit 2018 können sich französische Produktionsfirmen der Expertise der grünen Beratungsfirma Secoya bedienen, die der ehemalige Location-Manager Mathieu Delahousse und der Produzent Charles Gachet-Dieuzeide gegründet haben. Die Firma unterstützt Produktionen dabei, ökologische Anforderungen auf ökonomische Weise umzusetzen. „Mein Ansatz zielt darauf ab, nachhaltige Lösungen zu entwickeln, die Kosten sparen, das Arbeitsumfeld als auch die Außenwirkung von Unternehmen verbessern sowie im Vorfeld neue Gesetze und Regelungen berücksichtigen“, sagt Delahousse.

 

 

Zu ihren ersten Kunden gehörte Rectangle Productions, die Valérie Donzellis Komödie Notre Dame produziert. Wonder Films engagierte die Öko-Berater für Marilou Berrys Quand on crie au loup, der komplett in einem einzigen Gebäude in Paris gedreht worden ist. „Wir haben Ökostrom verwendet und auf Plastikgeschirr verzichtet.“ Abfallmanagement war auch ein Thema bei der zweiten Staffel der Serie Find Me in Paris, bei der 250 kg Lebensmittel vor dem Mülleimer gerettet wurden.

 

Nachhaltige Maßnahmen gehören auch im Studio Kremlin zum Produktionsalltag. Der Studiokomplex am Stadtrand von Paris bezieht seinen Strom aus erneuerbaren Energien. Sämtliche Leuchten sind durch LEDs ersetzt worden, Kaffeekapseln und Einweggeschirr sind tabu. „Die Produktionsteams sind inzwischen aufgeschlossener für nachhaltige Maßnahmen. Für manche Produktionsleiter ist Umweltfreundlichkeit sogar ein Kriterium bei der Auswahl eines Filmstudios“, betont Orion Clisson, Aufnahmeleiter bei Studio Kremlin. „Wir erleichtern ihnen die Mülltrennung.“ Die Deko wird im Zuge einer Kooperation mit La Recyclerie des Arts wiederverwendet.

 

Dank moderner Technik sind die Provence Studios in Südfrankreich nahezu Nullenergiegebäude. Mit Photovoltaikmodulen auf einer Fläche von 28.000 qm werden 3,2 MW Strom auf dem Studiogelände erzeugt.

 

 

LEDs haben die Glühleuchten abgelöst, das Regenwasser wird zur Bewässerung von Grünflächen aufgefangen, begrünte Fassaden dienen der Isolierung und sämtliche Ateliers verfügen über ein Lüftungssystem statt einer Klimaanlage. „Da wir mehr Energie produzieren als wir verbrauchen, schlägt sich der geringere Strom- und Wasserverbrauch auf die Herstellungskosten der Produktionen nieder“, erklärt Olivier Marchetti, Leiter der Provence Studios. Dekos werden komplett recycelt. Für das Abfallmanagement stehen Müllcontainer für Holz, Plastik, Karton und Metall zur Verfügung, Gras und Blätter werden kompostiert. „Das ist sowohl ein ökologisches als auch ein ökonomisches Ökosystem“, bilanziert Marchetti.

 

Fotos: © Seyoya, Orion Clisson/Studio Kremlin, Provence Studios

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