Nachhaltigkeit beim NaturVision Festival

Fernsehen in Deutschland der 1960er und 70er Jahre: Damals saß ein älterer Herr in einem kargen TV-Studio am Schreibtisch und spielte vor laufender Kamera mal mit einer geschmeidigen Raubkatze, mal mit einem verspielten Äffchen und erzählte Geschichten aus einer anderen Welt. Bernhard Grzimeks Sendung Ein Platz für Tiere geriet zum Dauerbrenner im deutschen Fernsehen und erlangte Kultstatus. Auch in seinen großen Dokumentarfilmen galt Grzimeks Kernbotschaft dem Schutz der Natur und der Artenvielfalt. Das Engagement der Generation Grzimek/ Heinz Sielmann, die dem deutschen Natur- und Tierfilm zur Weltgeltung verhalfen, lebt heute in den aktuellen Produktionen weiter.

 

Beim 14. NaturVision Festival in Ludwigsburg setzten sich viele der mehr als hundert im Central Theater vorgestellten Filme mit wichtigen Umweltthemen auseinander. Zu den zentralen Sujets gehörten Ressourcenverbrauch, Klimaschutz und nachhaltige Landwirtschaft.

Bilder von einzigartigen Landschaften, faszinierenden Tierwelten, aber auch von globalen Umweltproblemen prägten das Programm. Im Stile eines Doku-Thrillers klärt Jakob Kneser in seinem für ZDF/ Arte produzierten Film Der letzte Raubzug über die tödlichen Mechanismen des Welthandels mit Elfenbein und Horn auf, wofür alle 15 Minuten ein Elefant sein Leben lassen muss. Die sehenswerte Dokumentation erhielt den Deutschen Umwelt- und Nachhaltigkeitspreis des Festivals.

 

78.2015_Der letzte Raubzug - Gambling on Extinction_01Auch auf Borneo stoßen die Elefantenherden auf ihren angestammten Wanderpfaden durch den Urwald entlang des Kinabatangan Flusses an die Grenzen, die ihnen der Mensch setzt, der dort die Urwälder rodet, um Palmplantagen zu errichten. Dort war Felix Heidinger für die Bayerische Rundfunk-Produktion Big Five Asien – Der Elefant vor Ort. Der Film ist hautnah dabei, wenn Herden friedlich in den Fluten des Flusses baden und plantschen. Doch nur wenige Kilometer weiter stoßen die Herde und sich dort ansiedelnde Menschen auf einander, was für beide gefährlich wird.

 

Weitflächige Schutzzonen für die Natur bieten die Naturparks, die der menschlichen Nutzung entzogen sind. Regisseur und Kameramann Yann Sochaczewski gewährt faszinierende Einblicke in die ungewöhnliche Saguaro-Wüste in Arizona mit ihren einzigartigen Kakteen und seltenen Tierarten und Oliver Goetzl führt durch den Yosemite-Park, wo sich Luchse, Kojoten, Schwarzbären und Steinadler auf Jagd begeben und sich teils die Beute streitig machen. Beide Filme sind als Koproduktionen zwischen dem NDR, der Doclights GmbH , Arte, dem ORF sowie dem US-Sender National Geographic entstanden.

 

 150723_0506Sabine Hackenberg_1 (1)Unter dem diesjährigen Sonderthema des Festivals Inseln der Zukunft nach der gleichnamigen Arte-Reihe, die Ende November anlässlich der Weltklimakonferenz ausgestrahlt wird, haben die beiden Festivalleiter Ralph Thoms und Kay Hoffmann (Foto ©Sabine Hackenberg/ NaturVision) einen inhaltlichen Fokus auf Lösungsmöglichkeiten hinsichtlich eines nachhaltigeren Energie- und Ressourcenverbrauchs gesetzt.

 

Der Film Samsø – Das Zukunftslabor in der Ostsee, den Lars Westenhagen mit der Längengrad Filmproduktion realisiert hat, stellt die Bewohner der dänischen Ostseeinsel vor, die vor mehr als zehn Jahren beschlossen haben, konsequent auf erneuerbare Energie und Selbstversorgung umzusteigen. Inseln der Zukunft_Samso_1Von Windrädern über Strohheizkraftwerke bis hin zu sogenannten „Kuhmilchwärmetauschern“ zapften sie nach und nach alle sauberen Energiereserven der Insel an. Nächstes Ziel bis 2020: der Umstieg auf Elektromobilität. Mit der vollzogenen Energiewende haben die Insulaner auch wirtschaftlichen Erfolg errungen. Waren sie in den 90er Jahren noch von Energie-Versorgung abhängig, sind sie heute in der Lage, 40 Prozent der selbst erzeugten Energie zu exportieren.

 

In der Doku-Reihe werden auch die nachhaltigen Konzepte der Inseln El Hiero, Orkney, Madeira und Island vorgestellt. Bereits Ende Oktober wird auf der Internet-Plattform Arte Future  ein Spiel angeboten, mit dem sich die Themen der Doku-Reihe vertiefen lassen. Ziel dieses von der Straßburger Sepia Productions produzierten Games ist es, auf einer Insel einen Energiewandel zu vollziehen. Dabei warten komplexe gesellschaftliche, wirtschaftliche und technische Probleme auf die Anwender, die auf spielerische Weise gelöst werden müssen.  Bernd Jetschin

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