Ab in die Wildnis

Ein frisch geborenes Rentier wagt seine ersten staksigen Schritte. Es gehört zu einer Herde, die hunderte von Kilometern durch die unberührte Wildnis am Polarkreis streift. Jeder Tag ist ein Abenteuer: Genauso ist es der Crew von Ailos Reise ergangen. Für diesen Spielfilm ist der französische Filmemacher Guillaume Maidatchevsky monatelang einer Rentierherde auf ihrer Wanderung über gefrorene Bergkuppen und vereiste Seen gefolgt. Die klirrend kalten Polarnächte, in denen die Temperaturen unter 40 Grad Celsius sinken, erforderten kältetaugliche Kameras.

 

Bei Dreharbeiten in Lappland sind die Crews gefordert, die Umwelt zu respektieren. Die Film Commission im finnischen Lappland hat entsprechende Verhaltensregeln aufgestellt. „Nachhaltige Produktion ist ein wichtiges Thema in Lappland, denn wir haben nicht nur einzigartige Schauplätze, sondern auch eine besondere Kultur zu bewahren“, sagt Film Commissioner Anna Niemelä. „Diese Verhaltensgrundsätze fungieren als Richtlinie für Film-, Werbe- und Fernsehproduktionen, wenn sie in Lappland mitten in der Natur drehen.“

 

In dem Kodex enthalten sind Richtlinien für den Dreh im Grünen und in städtischen Gebieten, Beschreibungen von Gemeinden und Kultur sowie Empfehlungen für eine nachhaltige Produktionsweise. Die Produktionsfirma muss sicherstellen, dass kein Schaden durch den Dreh in der Natur entsteht. Müll wegzuwerfen, ist strikt verboten. In fast jedem Ort gibt es diverse Sammelstellen für Altpapier, Karton, Plastik, Glas, Metall, entzündliche Gefahrenstoffe sowie Biomüll. In der Wildnis sind hingegen die Produktionen dafür verantwortlich, ihren Abfall fachgerecht zu entsorgen.

 

Nachhaltige Filmproduktion war auch das Thema eines Green Production-Seminars in Helsinki, das Green Film Shooting mit Unterstützung der finnischen Filmförderung veranstaltet hat „Das Schöne ist, dass Vertreter aus allen Bereichen der Filmbranche daran teilgenommen haben“, erklärt Jaana Puskala, die in der Finnish Film Foundation für internationale Angelegenheiten zuständig ist. „Das deutet darauf hin, dass es in Sachen umweltfreundliche Produktion in Finnland vorangeht.“

 

An der ersten grünen Filmproduktion in Finnland arbeitet die in Helsinki ansässige Produktionsfirma Bufo, auf deren Konto Finnlands  2014er Oscar-Vorschlag Concrete Night von Pirjo Honkasalo sowie Aki Kaurismäkis preisgekrönter Berlinale-Wettbewerbsbeitrag Die andere
Seite der Hoffnung gehen. Bufos neues Projekt Memory of Water soll als Fallstudie für die grüneProduktion dienen. Die Nachhaltigkeitsberaterin Kaisa Astikainen untersucht in Zusammenar-beit mit der Aalto-Universität in Helsinki die Implementierung nachhaltiger Maßnahmen in der Filmproduktion.

Das Projekt vereint die Fachdisziplinen Film und Umwelttechnik. „Unser Ziel ist, eine Leitlinie für die nachhaltige Filmproduktion zu entwickeln, die bei der Produktion unseres Filmprojekts Memory of Water zum Einsatz kommen sollen“, erläutert Astikainen. „Wenn wir den Einsatz nachhaltiger Maßnahmen in Finnland bewerten, müssen die lokalen Bedingungen wie der Energiebedarf bei kaltem Klima berücksichtigt werden. Im Rahmen unseres Pilotprojekts sollen Arbeitsmittel und Leitlinien entstehen, die der gesamten finnischen Filmbranche zur Verfügung gestellt werden."

 

Fotos: © MRP Matilda Rohr Productions, GFS

Veröffentlicht unter: Essen

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