Mehr als nur Mehrwegbecher

Im Rahmen der 70. Berlinale setzten sich erstmals mehrere internationale Veranstaltungen und Arbeitsgruppen mit der Thematik der nachhaltigen Filmproduktion auseinander. Den Auftakt bildete die Paneldiskussion Grüne Filmproduktion 2.0: Mehr als Mehrweg-Kaffeebecher, zu der das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) gemeinsam mit Green Film Shooting und der Heinz Sielmann Stiftung in Kooperation mit der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien eingeladen hatte.

 

 

Im Zuge der Fridays for Future-Bewegung und des von der EU-Kommissionspräsidentin verkündeten Green Deals hat die grüne Filmproduktion regelrechten Auftrieb erhalten. „Auch die Filmproduktion muss ihren Beitrag dazu leisten und umweltfreundlicher werden“, betonte der BMU-Staatssekretär Jochen Flasbarth mit Blick auf die diversen Nachhaltigkeitserklärungen der Branchenverbände und Organisationen der vergangenen Wochen. Bisher beschränken sich die umweltfreundlichen Maßnahmen an Filmsets oftmals auf einfache Anforderungen wie die Nutzung von Mehrwegbechern, die Bildung von Fahrgemeinschaften sowie das ohnehin gesetzlich vorgeschriebene Abfallmanagement.

 

„Ich wünschte, dass wesentlich mehr passiert. Die Filmbranche ist genauso wenig grün wie die Kohle- oder Autoindustrie“, erklärte der Schauspieler und Produzent Hannes Jaenicke. „Es ist sehr schwer, die Filmbranche umweltfreundlicher zu machen, in der allein durch die Reisen viele CO2-Emissionen anfallen.“ Auch die Umstellung auf fleischloses Catering sei oftmals schwer durchsetzbar.

 

„Wir starten am 1. Juli ein Pilotprojekt für eine grüne Zertifizierung“, verkündete der FFA-Vorstand Peter Dinges, „mit dem keine weitere finanzielle Förderung verbunden sein wird.“ Nach der Einführung des Grünen Drehpasses legt die Filmförderung Hamburg-Schleswig-Holstein (FFHSH) ab dem 1. April mit dem Grünen Filmpass nach. „Als erste Filmförderung in Deutschland führen wir die grüne Produktion verpflichtend ein“, sagt FFHSH-Geschäftsführer Helge Albers. „Wie verfolgen dabei einen holistischen Ansatz von der Drehbuchentwicklung bis hin zur Filmauswertung.“

 

Wichtig sei, einen europäischen Standard zu entwickeln, warf der ehemalige irische Umweltminister John Gormley in die Debatte ein, der in der Filmbranche dem irischen Produzentenverband vorsteht. „Wir brauchen einen gemeinsamen Standard in Europa, an den die Vergabe von Fördermitteln gekoppelt wird.“ Bisher war Creative Europe MEDIA in Sachen Nachhaltigkeit noch nicht aktiv. „Das wird sich jetzt ändern“, versicherte Lucia Recalde, Leiterin des Creative Europe MEDIA-Programms. „Jedes EU-Programm muss von nun an grünen Leitlinien folgen.“ Im Rahmen der Berlinale tauschte sich die MEDIA-Chefin mit zahlreichen Branchenvertretern aus. Zu den zentralen Punkten gehören dabei die Entwicklung eines europäischen CO2-Rechners sowie grüne Trainingsinitiativen.

 

Diese sollen auch dazu führen, die Filmbranche für den Umwelt- und Klimaschutz zu sensibilisieren. „Wir haben vor einigen Jahren einen umweltfreundlicheren Dieselgenerator entwickelt, der durch das Einspritzen von Wasser keinen Feinstaub mehr produziert“, berichtete Niels Maier, Geschäftsführer des Kölner Equipment-Verleihs Maier Bros. „Die Produktionen haben ihn nicht gemietet, da er pro Tag 20 Euro mehr gekostet hat als herkömmliche Generatoren.“

 

Foto: @ Rendezvous Media/GFS

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