Stretching the limits

Viele Menschen glauben, das Wasser in den Bergen sei so rein und kristallklar wie es auf den
Wasserflaschen beworben wird“, sagt der französische Produzent Julien Tricard, „doch selbst auf dem Mont Blanc gibt es mittlerweile Mikroplastik.“ Dies dokumentiert der Film Pas si douce, der die französischen Wissenschaftler David Gateuille und Frédéric Gillet bei ihrer Expedition auf den Mont Blanc begleitet. In über 4.000 Meter Höhe entnehmen sie Proben, die Partikel von Polyethylen, Polypropylen und PET enthalten.

 

Um diesen Dokumentarfilm zu realisieren, ohne dabei einen erheblichen CO2-Fußabdruck zu verursachen, hat Julian Tricard auf Remote-Produktion gesetzt. „Es war für uns keine Option, mit dem Hubschrauber auf den Gipfel des Mont Blanc zu fliegen. Die einzige Möglichkeit war nach oben zu klettern.“ Für diesen Knochenjob engagierte er den erfahrenen Alpinisten und Filmemacher Bertrand Delapierre. Nach den Vorbesprechungen mit dem Produzenten in Paris, die ausschließlich per Videokonferenz erfolgten, begleitete Bertrand Delapierre die Wissenschaftler mit der Kamera bei der Probenentnahme auf dem Weg zum Gipfel.

 

Die Forscher nahmen dabei auch das Nanoplastik ins Visier, das tausendmal kleiner als Mikroplastik ist. Da es von der Größe her mit einem Virus vergleichbar ist, könnte es sogar zelluläre Barrieren überwinden. Biologen sind bereits 1972 auf Mikroplastik im Meer gestoßen, doch die Verbreitung der winzigen Kunststoffkügelchen über die Luft ist
bisher wenig erforscht. Um das globale Ausmaß dieses Problems zu verstehen, analysieren Atmosphärenforscher die Reise des Mikroplastiks in der freien Troposphäre.

 

Um die Gebirgslandschaft in den Westalpen von oben aufzunehmen, kam eine Drohne aufgrund der Höhe und Kälte nicht in Frage. Die Luftbilder lieferte das Team der französischen Firma No Gravity Films, die sich mit ihrem Ultraleicht Flugzeug auf Luftaufnahmen für Film-, Werbe- und Broadcast-Produktionen spezialisiert haben. Für die Stabilisierung sorgt ein ARRI SRH360-Gimbal, mit dem sich sogar große Vollformat-Kameras und Objektive mit langen Brennweiten einsetzen lassen.

 

„Im Vergleich zu einem Hubschrauber, der im Schnitt 200 Liter Kerosin die Stunde verbrennt, ist ein Ultraleicht-Flugzeug mit einem Benzinverbrauch von zwölf Litern eine echte ökologisch Alternative“, sagt der Pilot Jason Barrault, der das Pariser Unternehmen gemeinsam mit dem Produktionsleiter Damien Schneider betreibt.
„Wenn wir für einen Auftrag längere Flugstrecken zurücklegen, filmen wir unterwegs schöne Landschaften für unser Archiv.“

 

Davon hat die Produktion von Pas si douce profitiert und Luftbilder vom Mont Blanc erhalten, ohne den Flieger zu chartern. Das Prinzip der Remote-Produktion hat sich für Lucien Productions bereits bei mehreren Dokus bewährt. Für Les Incorrectes über die französische Athlethin Alice Milliat, die 1922 die Olympiade für Frauen ins Leben gerufen hat, wurden für die Interviews mit Spitzensportlerinnen in Neuseeland, Bulgarien und Algerien lokale Crews eingesetzt.

 

Die Regisseurin Anne-Cécile Genre blieb in Paris und stellte ihre Fragen per Zoom, so dass die Interviewpartnerinnen sie auf dem Laptop sehen konnten. Die Produktion ist völlig ohne Flüge ausgekommen, was sich für das Budget und für die Umwelt ausgezahlt hat. „Das hat uns 15.000 Euro gespart“, bilanziert der Produzent. „Durch Flugreisen hätte sich der CO₂-Fußabdruck der Produktion von 2,8 t CO2 auf insgesamt 12 t CO₂ mehr als vervierfacht.

 

Photos: © No Gravity Films, Zimy Da Kid

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