Saubere Energieversorgung am Filmset

Ob London, Paris oder Berlin – Dieselgeneratoren sind ein Auslaufmodell, denn in vielen Städten greifen mittlerweile restriktive Umweltauflagen. Vor allem in verkehrsreichen Ballungsräumen sorgt Diesel für dicke Luft. Allein in London sind 1.800 Generatoren für Film- und Fernsehproduktionen im Einsatz, die jährlich 64.000 Tonnen CO2 im Jahr produzieren. Der Film London-Studie The Fuel Project zufolge sind mehr als ein Drittel der traditionellen Generatoren mit der Abgasnorm Stage IIIa nicht in der Umweltzone zugelassen.

 

In Frankreich ist das Dieselverbot verschärft worden. Seit dem 1. Januar 2025
werden Verursacher von Feinstaub und Stickstoffoxiden aus allen Ballungsräumen mit mehr als 150.000 Einwohnern verbannt. Für die mobile Stromversorgung von Film- und Fernsehproduktionen gibt es diverse Batterie-Systeme mit unterschiedlichen Leistungsstärken.

 

In Großbritannien hat der Filmgeräteverleih Onbio einen Batteriespeicher mit einer Kapazität von 300 kWh entwickelt. Im Orb 300 sind vier gebrauchte Tesla-Batterien verbaut, die eine kontinuierliche Energieversorgung von 29 kW bieten.
„Wenn die Speicherkapazität auf 80 Prozent sinkt, werden die Batterien nicht mehr in Fahrzeugen eingesetzt, sind aber perfekt als Stromspeicher geeignet“, sagt der Onbio-Chef Tom Crooke. „Einige Batterien sind fast brandneu und haben keine 10.000 Meilen zurückgelegt, weil sie nach kleinen Unfällen von der Versicherung abgeschrieben worden sind.“

 

Der Ladezustand des Orb 300 wird auf dem Display angezeigt und kann über die Website abgerufen werden. Zudem wird eine App zur Batterieprüfung entwickelt. Im Zuge der Nachrüstung soll es ebenfalls möglich werden, den Orb 300 an Typ-2-Ladesäulen aufzuladen, die eine wachsende Verbreitung in den Städten erfahren. An einer 50 kW DC-Schnellladestation ist der Batteriespeicher in sechs Stunden vollständig aufgeladen. Der Prototyp des Orb 300 wird zunächst bei einer Produktion für eine Streaming-Plattform getestet. Angesichts der wachsenden Umweltauflagen erwartet der langjährige Location-Manager eine steigende Nachfrage nach Batteriespeichern. „Es gibt Gegenden im Zentrum von London, in denen keine Generatoren mehr zugelassen sind. Sie dürfen auch nicht mit HVO betrieben werden, weil bei der Verbrennung ebenfalls ultrafeine Feinstaub-Partikel entstehen.“

 

Auf den Einsatz ausrangierter Akkus aus E-Autos hat das französische Unternehmen Pess Energy bereits bei der Entwicklung der Power-Pakete Bobine und Wattman gesetzt. „Viele unserer Kunden haben sich eine höhere Kapazität gewünscht, möchten aber keine schwere, klotzige Batterie haben“, sagt der Firmen-Chef Rémi Pillot. „Deshalb haben wir eine neue Version mit mehr Leistung kreiert, bei der die Akkus gebündelt und zusammengeschaltet werden.“

 

Die 130 kg schwere Nickel-Mangan-Cobalt-Batterie Flywatt verfügt über eine Kapazität von 11 kW und 10 kWh. Je nach Bedarf können zwei bis sechs Stromspeicher parallel verschaltet werden und die Produktion mit bis zu 60 kWh versrgen. Dank ihrer stapelbaren Konstruktion können sechs Einheiten in einem Lieferwagen verstaut und als modulare Kompaktlösung bei größeren Produktionen eingesetzt werden. Das Aufladen kann an einer 16 Ampere-Haussteckdose, einer Typ-2-Lades.ule oder mit einem mobilen Solar-Panel erfolgen.

 

 

Eine gefragte Alternative zu Generatoren hat die französische Firma Nestor mit dem Nomad entwickelt. „Seitdem wir diesen Prototypen vor einem Jahr vorgestellt haben, ist er fast jeden Tag für Dreharbeiten in Paris gebucht“, berichtet der Firmengründer Mathieu Cauvin, „weil die Nutzung von Diesel im Stadtzentrum zunehmend untersagt wird.“ Für die erste Kleinserie des Nomad110.30 liegen bereits Bestellungen aus Frankreich und Spanien vor.

 

Der knapp eine Tonne schwere Stromspeicher aus Lithiumeisenphosphat verfügt über ein ausgeklügeltes Batteriemanagement-System, für welches das Team von Nestor die mechanische Konstruktion, das Thermomanagement sowie die Abläufe für die Montage und Schweißarbeiten selbst entwickelt hat. Der Nomad110.30 bietet mit einer Speicherkapazität von 109 kWh eine kontinuierliche Leistung von 30 kVA. Die Aufladung kann sowohl an einer Haushaltssteckdose als auch an einem Ladepunkt erfolgen. An einer 100 kW-Schnellladestation lässt sich der Nomad110.30 binnen einer Stunde von zehn auf ein Level von 90 Prozent aufladen. Die Netzwerkanbindung und Geolokalisierung ermöglichen es den Nutzern, die Verbräuche auszulesen und unmittelbar mit dem Kundendienst in Kontakt zu treten.

 

„Lithiumeisenphospat-Batterien sind thermisch sehr viel stabiler als andere Lithium-Ionen-Technologien, was das Risiko von Überhitzung und thermischem Durchgehen extrem verringert“, erklärt Robert Mellinghoff, Vertriebschef des deutschen Unternehmens AES Akku Energie Systeme, das in Hamburg Akkusysteme und Komponenten für Energiespeicher entwickelt und produziert. „Eine LiFePO4-Zelle (LFP) hat 20 Prozent mehr Gewicht und 20 Prozent weniger KapazitÄt als eine Nickel-Mangan-Cobalt-Zelle (NMC). Dieser Nachteil erweist sich als ein Vorteil, denn aufgrund der geringeren Energiedichte sind die Zellen stabiler.“ Zudem besitzen LFP-Batterien nach 3.000 Ladezyklen noch eine Kapazität von 80 Prozent.

 

Für die autarke Stromversorgung hat der Hersteller die AES Stromkiste konzipiert, die als modulares System mit zwei herausnehmbaren Akku-Packs eine Ausgangsleistung von 2,3 kW liefert. Das Wechsel-Akku-Design der Stromkiste, die auch über einen Solar-Ladeeingang verfügt, erlaubt eine schnelle Skalierung der Kapazitäten. Am Filmset war die Stromkiste bereits zum Test bei der Kinder-Krimi-Serie Die Pfefferkörner im Einsatz. Eine weitere Variante dieser Stromspeicherlösung ist der Energy Hub, bei dem vier Akku-Packs à 1,44 kWh verschaltet und fest im Fahrzeug verbaut werden.

 

Fotos: © Adobe, Onbio, Pess Energy, Nestor, AES Akku Energie Systeme

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