Kreislaufwirtschaft im Bauwesen, Renaturierung und Rewilding, Erforschung der Tiefsee, Rechte der Natur sowie schmelzende Gletscher waren die Schlüsselthemen in 24 Spiel-, Dokumentar- und Animationsfilmen, die im Rahmen der dritten Ausgabe des Festivals Green Visions Potsdam. Die dort gezeigten Filme werden von Gesprächen mit Wissenschaftlern begleitet, die Einblicke in komplexe Zusammenhänge geben. Zu jeder Vorführung fand ein Gespräch mit Filmemachern und Experten, statt, bei dem die Herausforderungen und mögliche Lösungen diskutiert wurden.
Auf dem „Markt für nachhaltiges Leben“ vor dem Filmmuseum Potsdam, das als Zentrum für das viertägige Festival diente, wurden nachhaltige Produkte und Dienstleistungen präsentiert. Dort konnten die Besucher Bio-Lebensmittel und -Getränke probieren, mehr über traditionelles Saatgut und den Nutzen erneuerbarer Energien erfahren. „Gerade jetzt sehen wir wieder, wie abhängig unsere Gesellschaft noch immer von Öl und Gas ist und wie dadurch weiter Treibhausgasemissionen entstehen. Umso wichtiger ist es, erneuerbare Energien auszubauen und die kostenlose Energie der Sonne konsequent zu nutzen“, betont Dieter Kosslick, Festivalleiter von Green Visions Potsdam. „Viele Menschen haben das längst verstanden und handeln selbst: In Deutschland sind viele Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern zu sehen, und in kurzer Zeit wurden rund 1,5 Millionen Balkonkraftwerke installiert. Das zeigt, dass die Energiewende in vielen Haushalten längst begonnen hat.“
Den Auftakt des Festival bildete die deutsche Premiere des Dokumentarfilms Trop Chaud von Benjamin Weiss, der darin einen Blick hinter die Kulissen des Kampfes gegen den Klimawandel wirft. Mit Mut und Engagement sind die Climate Seniors gegen ihr eigenes Land vorgegangen und haben beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) eine Beschwerde gegen die Schweizer Regierung eingereicht, da diese ihre Gesundheit ihrer Meinung nach nicht angemessen schützt. Die Klimaaktivistin Elisabeth Stern gab einen Einblick in diese achtjährige Auseinandersetzung, die in dem spektakulären Urteil des EGMR gipfelte, wonach Klimaschutz ein Menschenrecht ist.
Die menschliche Gesundheit wird auch durch giftige Substanzen beeinträchtigt, die sich in vielen Gebäuden befinden. „Wir müssen Häuser bauen, die einen Nutzen für die Umwelt haben“, erklärte Prof. Dr. Michael Braungart, Erfinder des Ökodesign-Konzepts Cradle to Cradle. Produkte sollten so gestaltet werden, dass sie innerhalb von Stoffkreisläufen funktionieren, so dass kein unnötiger Abfall entsteht, sondern nur nützliche Rohstoffe.
Das Konzept der „zirkulären Architektur“ hat der dänische Architekten Søren Pihlmann umgesetzt, der den dänischen Pavillon auf der Biennale 2025 in Venedig umgestaltete, indem er ausschließlich Materialien verwendete, die er im Ausstellungsgebäude vorfand. Der Umgestaltungsprozess ist in dem Film Materials Matter von Marc-Christoph Wagner und Simon Weyhe dokumentiert. Währenddessen zeigten Tatjana Mischke und Valentin Thurn in dem deutschen Film Ein Haus aus Müll, wie Berlins erstes Haus aus Abfall gebaut worden ist.
Ein Thema, das oft starke Emotionen hervorruft, ist die Renaturierung und die Wiederansiedlung von Wildtieren. In der britischen Dokumentation Wild Land – The Return of Nature begleitet David Allen ein Ehepaar, das sein verfallenes, 400 Jahre altes Anwesen der Natur überlässt. Anstatt es zu pflügen, lassen sie es verwildern und erleben, wie Arten zurückkehren und sich die Landschaft erneuert – was von der Öffentlichkeit mit Argwohn betrachtet wird. Auch im kleinen Maßstab ist es möglich, Renaturierungsprojekte umzusetzen, um die Artenvielfalt zu fördern.
In Potsdam legt der NABU beispielsweise Biotope an, um einen Lebensraum für Frösche und Kröten zu schaffen, wie Lutz Kolbmüller berichtet, der als Vorstand der Naturschutzorganisation im Stadtteil Bornstedt aktiv ist. In dem britischen Dokumentarfilm Derek vs. Derek von James Dawson prallen sehr unterschiedliche Ansätze von zwei englischen Landwirten aufeinander, deren Felder unmittelbar aneinander grenzen. Dem Bauer, der auf intensive, traditionelle Milchwirtschaft setzt, ist die Auswilderung von lokalen Arten wie Wildschweinen ein Dorn im Auge.
Eine wachsende Anzahl von Menschen ist davon überzeugt, dass Ökosystemen die selben Rechte gewährt werden sollten wie Menschen und Unternehmen. In dem belgischen Film Nature’s Guardians begleitet Audrey Lavis Menschen, die unser Verhältnis zur Natur neu überdenken. Als weltweit erstes Land hat Ecuador die Rechte der Natur in seiner Verfassung verankert. Das erste europäische Land, in dem ein Ökosystem einen eigenen Rechtsstatus besitzt, ist Spanien. Dort haben 600.000 Menschen sich erfolgreich engagiert, um die verschmutze Lagune Mar Menor zu retten.
70 Prozent unseres Planeten liegen verborgen in der Tiefsee. In diesem unberührten Lebensraum leben unbekannte Tiere an einem Ort, der von Kälte, Druck und Dunkelheit geprägt ist. Ihre Existenz wird von Unternehmen wie The Metals Company bedroht, die die Tiefsee durch den Abbau von Manganknollen ausbeuten wollen. In dem Dokumentarfilm How Deep Is Your Love nimmt die britische Filmemacherin Eleanor Mortimer das Publikum mit auf eine Reise, auf der Forscher die Wunder fantastischer Lebewesen erkunden, die in der dunklen Unterwasserwelt leben.
„Green Visions Potsdam ist ein kleines Festival mit großen Filmen“, fasst der ehemalige Berlinale-Direktor Dieter Kosslick zusammen. „Wir zeigen Filme, die Hoffnung machen und gleichzeitig das Bewusstsein schärfen.“
Fotos: © Peter Himsel/Green VisionsPotsdam 2026, Marc Wessel, Eleanor Mortimer














Hannes Jaenicke
Nic Balthazar
Nadeshda Brennicke, Schauspielerin
Darren Aronofsky, Regisseur von Noah / Jurypräsident der 65. Internationalen Filmfestspiele Berlin
Tim Bevan
Thekla Reuten
Rachael Joy
Nikola Rakocevi
Nadja Schildknecht
Lars Jessen
Douglas Trumbull
Dieter Kosslick, Direktor der Internationalen Filmfestspiele Berlin
Benoit Delhomme
Jeremy Irons
Helen Hunt