Blauer Kompass für innovative Lösungen

Mit der Auszeichnung Blauer Kompass küren das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt innovative und nachhaltige Lösungen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Im Jubiläumsjahr 2026 wurden 488 Projekte für diesen Wettbewerb eingereicht, von denen 25 nominiert wurden. Die sechs ausgezeichneten Projekte erhalten jeweils ein Preisgeld von 25.000 Euro, eine Trophäe sowie Unterstützung bei der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Die Grüne Filmagentur hat über die sechs „Blauer Kompass“-Preisträger jeweils einen dreieinhalbminütigen Porträtfilm produziert. Diese sechs Kurzfilme wurden bei der Preisverleihung am 17. September 2026 in Berlin präsentiert.

 

Der Landkreis Fulda hat ein Frühalarmsystem entwickelt, das im gesamten Kreis vor Starkregen warnt. Über 180 mit dem Internet verbundene Sensoren an Gewässern, Kanälen und öffentlichen Gebäuden erfassen Pegelstände und Niederschlagsmengen in Echtzeit. Mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz werden die Daten ausgewertet und mit Radardaten des Deutschen Wetterdienstes abgeglichen.

 

In der niederschlagsarmen Uckermark hat der Landwirt Stefan Bernickel seinen Familienbetrieb vollständig auf ein regeneratives Bewirtschaftungssystem umgestellt. Beim Ackerbau verzichtet er auf Pflug und Grubber und setzt stattdessen beim Säen auf das bodenschonende Strip-Till-Verfahren sowie eine klimafitte Fruchtfolge mit Kichererbsen und Körnermais. Diese Maßnahmen befähigen den Boden, Wasser zu speichern.

 

Die Sankt Mauritius-Sekundarschule in Halle hat ein 22 Quadratmeter großes Gewächshaus mit integrierter Aquaponik-Anlage gebaut, in dem sich Fischzucht und Pflanzenanbau gegenseitig unterstützen. Dank Wasserkreislauf, Regenwassernutzung und Solarenergie arbeitet das System ressourcenschonend sowie weitgehend energieautark und unabhängig von synthetischen Düngern und Pestiziden.

 

Mit dem Community-Preis ausgezeichnet wurde die Olof-Palme-Gesamtschule, die in der Gemeinde Hiddenhausen eine Streuobstwiese und einen Klimawald mit über 5.000 Bäumen und Sträuchern gepflanzt hat. Die Grünflächen dienen nicht nur als CO₂-Speicher, sondern halten bei Starkregen das Wasser am Hang zurück und schützen das angrenzende Wohngebiet besser vor Überflutung.

 

Nachdem das Hochwasser im Juli 2021 in Leverkusen weite Teile des Umweltbildungszentrums NaturGut Ophoven zerstört hat, betreibt der Förderverein auf dem Gelände die modulare Mitmach-Ausstellung „Die MutReiferei“, welche die Klimaangst von Kindern und Jugendlichen adressiert. Einen Blauen Kompass erhielt auch das innovative Konzept zu Klimavorsorge und -anpassung im Gesundheitswesen, das an der Katholischen Stiftungshochschule für angewandte Wissenschaften München entwickelt wurde.

Die ausgezeichneten Projekte zeigen sehr unterschiedliche Facetten der Klimaanpassung. „Unsere Dreharbeiten reichten von Bodenregeneration und Klimaanpassung in der Landwirtschaft über Starkregenfrüherkennung bis zu Bildungsprojekten und klimasensiblen Ansätzen im Gesundheitswesen“, sagt Johannes Kaczmarczyk, Geschäftsführer der Grünen Filmagentur. „Gerade diese Bandbreite macht die Filmreihe spannend: Es geht nicht nur um technische Lösungen, sondern ebenso um gesellschaftliches Engagement, Wissenstransfer und Menschen, die Klimaanpassung vor Ort konkret umsetzen.“

 

Die Produktion ist von Anfang an durch einen ausgebildeten Green Film Consultant begleitet worden. Bereits vor Beginn der Dreharbeiten wurde eine CO₂-Sollbilanz erstellt. Nach Projektabschluss folgen eine CO₂-Ist-Bilanz und ein Nachhaltigkeitsbericht. Gebündelte Drehreisen, Bahnfahrten, Elektrofahrzeuge, kleine Teams, vegetarisches bzw. veganes Catering und eine detaillierte Logistikplanung zielten darauf ab, Emissionen möglichst früh zu vermeiden.

 

Das Projekt zeigt zugleich die praktischen Herausforderungen nachhaltiger Filmproduktion: Die Drehorte liegen über mehrere Bundesländer verteilt, Wetterereignisse können Abläufe kurzfristig verändern und ein großer Teil der Standorte ist mit Bahn und ÖPNV nur eingeschränkt erreichbar. Für die Drehreisen wurde deshalb ein vollelektrischer VW ID. Buzz eingesetzt. „Er bietet ausreichend Platz für das Team und die Filmtechnik und gibt uns zugleich die notwendige Flexibilität zwischen den verschiedenen Motiven.“

 

Geladen wird das Fahrzeug in der Regel an Schnellladestationen, die Strom aus erneuerbaren Energien anbieten. Dennoch handelt es sich auch bei einer Produktion mit Elektrofahrzeug, kleinen Teams und Ökostrom nicht um eine emissionsfreie Filmproduktion. „Entscheidend sind für uns vielmehr eine transparente Planung, die nachvollziehbare Abwägung der verfügbaren Alternativen und eine belastbare Bilanz der tatsächlich entstandenen Emissionen“, betont Kaczmarczyk. „Der ‚Blaue Kompass‘ ist damit auch für uns ein passendes Beispiel dafür, wie Inhalt und Produktionsweise zusammengehören. Wir porträtieren Menschen, die Lösungen für die Folgen des Klimawandels entwickeln, und versuchen zugleich, diese Geschichten so ressourcenschonend und glaubwürdig wie möglich zu erzählen.“

 

Fotos: © Die Grüne Filmagentur, Starkenregenfas, Stefan Bernickel, SKienapfel, OPG

 

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