Ökologisch und fair produzieren

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe GrünFairFilm lud Ulrike Gote, Landtagsvizepräsidentin und medienpolitische Sprecherin der Grünen, verschiedene Branchenvertreter in den Bayerischen Landtag ein, um unter dem Titel „Perfekter Film und ökologisch-soziale Filmproduktion – eine unbezahlbare Utopie?“ über Nachhaltigkeit in der Filmwirtschaft zu diskutieren.

 

In einer Einführung legte Philip Gassmann, Nachhaltigkeitsbeauftragter bei Bavaria Film, dar, welche Auswirkung die Filmproduktion auf die Umwelt hat. “Eine Stunde Filmproduktion erzeugt im Schnitt 5,8 Tonnen CO2, was dem Jahresverbrauch eines EU-Bürgers entspricht.” Bei den großen Blockbustern in den USA liegt dieser Wert zwischen zwölf und fünfzehn Tonnen CO2. Der Berechnung von US-Wissenschaftlern zufolge bringt eine einzige Tonne CO2 rund drei Quadratmeter Eis in der Arktis zum Schmelzen. Um den CO2-Ausstoß in der Filmproduktion zu reduzieren, gibt es innovative Lösungen in den Bereichen Licht, Transport, Energie und umweltfreundliche Materialien.

 

 

Bislang sind sich noch nicht alle Akteure der Filmindustrie ihrer Verantwortung bewusst. Doch der Green Economy-Gedanke wid inzwischen auch in der Filmindustrie ein Thema arbeitet. Im neuen FFG wird erstmals der Aspekt Nachhaltigkeit aufgegriffen hat wird erstmals auf die Berücksichtigung ökologischer Belange abgehoben. “Die Werkzeuge und Lösungen dafür sind vorhanden”, erklärte Birgit Heidsiek, Herausgeberin Green Film Shooting. “Nachhaltiges Ressourcen-Management kann durchaus zu Kosteneinsparungen führen, wie internationale Kosten-Nutzen-Analysen belegen.”

 

 

Bei der Podiumsdiskussion wurde erörtert, wie der Bewusstseinswandel in der deutschen Filmindustrie weiter vorangetrieben werden kann und welche Rahmenbedingungen erforderlich sind, damit nachhaltige Produktionen künftig Normalität werden. Ein Problem ist bisher die geringe Nachfrage nach umweltfreundlichen Produktionsmitteln. Dies liege an den hohen Anschaffungskosten und dem Kostendruck in der Branche, führte Christian Dosch, Koordination Fairness & Nachhaltigkeit bei Crew United, aus. „Genau hier müssen Förderprogramme ansetzen, um die Branche in die Zukunft zu führen“, betonte Ulrike Gote.

 

 

Der Einzelne sei durchaus in der Lage, etwas verändern, auch wenn die Technologie nicht auf dem neuesten Stand sei, sagte Josef Wollinger, der seit 22 Jahren als Oberbeleuchter, tätig ist und als geschäftsführender Gesellschafter des Filmgeräteverleihs 4rent dem Verband Allianz Unabhängiger Filmdienstleister angehört. “Ein Kameramann ist mit einem Sonnensegel nicht in der Lage, 14 Stunden am Tag drehen. Er muss ein Risiko eingehen, dann kann er etwas sparen”, meinte Josef Wollinger. Erschwerend hinzu kommt, dass die Filmschaffenden der umweltfreundlichen Filmproduktion nicht unbedingt aufgeschlossen gegenüberstehen. “Hier muss auch die Ausbildung an den Filmhochschulen ansetzen”, unterstrich die Kamerafrau Sanne Kurz, die sich als Lehrbeauftragte an der HFF und BAF ein Pflichtseminar zur ökologisch nachhaltigen Filmproduktion wünschen würde.

 

Die Richtlinien für eine nachhaltige Produktion sollten in Abstimmung mit der Filmbranche erarbeitet werden. Während im flämischen Teil Belgiens die letzte Förderrate erst bei Abgabe der CO2-Bilanz ausgezahlt wird, gewähren einige Regionen wie Iles-de-France  in Frankreich oder Trentino und Sardinien in Italien inzwischen Anreize für Produktionen, welche die grünen Empfehlungen befolgen. US-Studien zufolge lassen sich mit sorgfältigem Umgang der Ressourcen sogar Kosten einsparen. Demzufolge ist es keine unbezahlbare Utopie, nachhaltig Filme produzieren zu wollen.

 

 

“Wir müssen genau hinschauen, was wir jetzt schon sehr einfach umsetzen können”, resümierte Ulrike Gote in Hinblick auf die umweltverträglicheren Alternativen in der Filmproduktion. Dies sei ein Prozess, der nicht gleich perfekt sein müsse. “Dabei dürfen wir aber keinesfalls vergessen, ökologische und sozialverträgliche Filmproduktion zusammen zu denken. Denn nachhaltig ist eine Produktion erst dann, wenn beide Aspekte ausreichend berücksichtigt werden!“

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