Die grüne Charta der Deauville Green Awards

Der Kampf gegen den Klimawandel, Innovationen, Transport und Öko-Mobilität sowie die Energiewende gehörten zu den Sujets der achten Ausgabe der Deauville Green Awards, bei der über 420 Dokumentarfilme, Spots und Imagefilme aus der ganzen Welt vorgestellt wurden. Klima- und Umweltschutz waren bei den Deauville Green Awards nicht nur auf der Leinwand ein Thema. Das Festival hat auf eine umweltfreundliche Umsetzung des Events gesetzt.

 

"Wir haben eine Charta mit verschiedenen Maßnahmen aufgestellt“, berichtet die Event-Produzentin Laurence Lafiteau. Dazu gehören die Vermeidung von Einwegplastik, die emissionsarme Anreise und Unterbringung von Team und Teilnehmern sowie die Berechnung von den verursachten CO2-Emissionen, die über den Festivalpartner EcoAct kompensiert worden ist. „Ein Event nachhaltig auszurichten ist ein schrittweiser Prozess, den wir durch den Austausch von Best Practices noch weiter optimieren möchten“, sagt die Produzentin. „Die Film- und Medienbranche muss schneller voranschreiten.

 

Um alle Kreativen einzubinden, haben wir in Frankreich eine neue Initiative gegründet.“ Federführend dabei sind die französischen Filmemacher Cyril Dion und Laure Noualhat, die nach der erfolgreichen Doku Demain nun ihren neuen Film Après Demain in Deauville vorgestellt haben. „Wir möchten aufzeigen, wie eine bessere Welt aussehen kann, in der wir gerne leben möchten“, sagte Dion. „Als Filmemacher haben wir die Verantwortung, das den Zuschauern vor Augen zu führen.“

 

Ein zentraler Punkt ist auch, für Bewusstseinsvermittlung unter den Filmschaffenden zu sorgen, wenn sie beispielsweise in Naturschutzgebieten drehen. „„Die Filmcrews stören die Tiere beim Nisten, wenn sie mit schwerem Equipment in einem Naturschutzgebiet hantieren und dort Lärm und Licht verursachen“, betonte Marina Ezdiari, die als Vertreterin des Ecoprod-Kollektivs einen Workshop zum Thema Artenvielfalt und Filmemachen leitete. „Wir planen einen Handlungsleitfaden zu produzieren, den wir europaweit verteilen möchten.“

 

Das Thema Artenvielfalt bildete den Schwerpunkt bei der achten Edition der Deauville Green Awards. , „Dieses Thema lag in der Luft“, erklärt der Ehren-Präsident Georges Pessis, der das Natur- und Umweltfestival gemeinsam mit dem Präsidenten Francois Morgant leitet.

 

Diverse Kurzfilme zum Thema Artenschutz hat der World Wildlife Fund produziert, der in Deauville seine neusten VR-Filme über Walfische und Vögel vorstellte, in denen den Zuschauern hautnah die Arbeit der Naturschutzorganisation vermittelt wird. „Wir nehmen die Zuschauer auf unsere Expeditionen mit“, sagt Michael Neveu, Leiter der Digital- und Kommunikationsabteilung vom WWF Frankreich.

 

Von dem französischen Kollektiv Ecoprod gestiftet wurde der Spezialpreis für nachhaltige Filmproduktion, den die deutsche Produktionsfirma The Royal Film Company für den Imagefilm Laureus Sport for Good – Neeta‘s Story erhielt. Das ambitionierte Projekt zielt darauf ab, jungen Frauen in Indien mit Hilfe des Sports Bildung und Selbstbewusstsein zu vermitteln. Um den CO2-Fußabdruck beim Dreh zu senken, kompensierte das Filmteam die CO2-Emissionen, die durch die Flüge nach Indien entstanden sind. „Wir haben die Crew auf das Minimum von drei Personen reduziert“, berichtet der Produzent Moritz Schreiner. Zum grünen Maßnahmenpaket beim Dreh gehörten der Einsatz von Akkus und LEDs eingesetzt, der weitestgehende Verzicht auf Plastikflaschen sowie eine vorwiegend vegetarische und vegane Ernährung.

 

Wie nachhaltig sich eine Produktion realisieren lässt, hängt auch davon ab, welche umweltfreundlichen Lösungen verfügbar sind. Einen Einblick in bewährte und neue technologische Entwicklungen gaben mehrere Filmemacher in ihren Spots, Info-Beiträgen und Dokumentationen, die in der Wettbewerbskategorie Innovationen zu sehen waren. Der Einsatz von Wasserkraft, Windenergie und Smart Cities waren genauso ein Thema wie die Nutzung von Wasserstoff für Automobile. In dem Image-Film L’Hydrogéne, clé de la mobilité propre stellt das Unternehmen Air Liquide sein ambitioniertes Projekt vor, bis 2020 in Paris und in der umliegenden Region Ile-de-France eine emissionsfreie Flotte mit 600 Wasserstoff-betriebenen Taxis an den Start zu bringen.

 

Auf Fahrzeuge, die mit Wasserstoff betankt werden, ist Stéphane Aver, Vorstand der Schweizer Firma Aaquis, spezialisiert, die den Innovationspreis in Deauville vergibt. „Wir haben einen neuen Standard entwickelt, um Wasserstoff für Leichtmobilität zu speichern, wozu Fahrräder, Mopeds, Motorräder, kleine Autos und Lieferfahrzeuge gehören“, sagt Aver. Bislang ist Aaquis in China, Vietnam, Marokko, Dubai, Frankreich sowie der Schweiz aktiv. Der Wasserstoff wird in Kartuschen gespeichert, welche die Nutzer sich wie Getränke aus einem Automaten ziehen können. „Wir verwenden dafür das gleiche System.“ Der Standort der Wasserstoff-Automaten ist über eine App abrifbar, bezahlt wird per Mobiltelefon. Für ein Fahrrad reicht eine kleine Kartusche für eine Strecke von 50 km. Zum Betanken eines Mopeds sind zwei größere Einheiten erforderlich, die eine Reichweite bis zu 100 km ermöglichen. Auch in Frankreich wächst das Interesse an Wasserstoff-betriebenen Fahrzeugen. „Wir verhandeln in Paris gerade mit einer Supermarktkette, die ihren Kunden unsere Lasträder zum Transport ihrer Einkäufe anbieten möchte.“

 

 

Ein Thema, das viele Filmemacher beschäftigt, ist auch die Umweltbelastung durch Plastikmüll. In der preisgekrönten Doku My Trash Your Trash Our Trash hat der deutsche Regisseur Wolfgang Blöhm Kinder in Deutschland und Uganda befragt, wie sie das Plastikmüllproblem lösen würden.

 

Fotos/Videos:© GFS

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