Der Preis der atomaren Altlasten

Der Einsatz von erneuerbaren Energien gehört zu den wichtigsten Faktoren, um den CO2-Fußabdruck von Film- und Fernsehproduktionen zu senken. In Deutschland lag der Anteil von erneuerbaren Energien an der Nettostromerzeugung, die den Strommix bezeichnet, der aus der Steckdose kommt, im ersten Halbjahr 2020 bei 55,8 Prozent. Die Atomenergie ist mit einem Anteil von 12,3 % an der Nettostromerzeugung zur öffentlichen Stromerzeugung auf dem Rückmarsch. Die deutsche Bundesregierung hat 2011 beschlossen, aus der Atomenergie auszusteigen, weil die Erfahrung von Fukushima gezeigt hat, dass das Risiko zu hoch und die Technik nicht beherrschbar ist. Wenn 2022 das letzte Atomkraftwerk in Deutschland abgeschaltet wird, ist das nukleare Problem damit allerdings noch längst nicht gelöst.

 

Zurück bleiben zigtausende Tonnen radioaktiver Müll, dessen Lagerung völlig unklar ist. „Dabei geht es nicht nur um die 1.900 Castor-Behälter mit abgebrannten Brennstäben in den Zwischenlagern, für die wir noch kein Endlager haben, sondern es geht auch um den Rückbau von 17 Atomkraftwerken“, erklärt der deutsche Dokumentarfilmregisseur Carsten Rau, der sein preisgekröntes Werk Atomkraft Forever derzeit auf verschiedenen Filmfestivals vorstellt.

 

Die Reaktoren eines Kernkraftwerks sind von Beton, Stahl, Dämmmaterial umgeben, dem sogenannten Kontrollbereich, der zurückgebaut werden muss, weil er durch den Betrieb radioaktiv kontaminiert ist. Dabei fallen Millionen von Tonnen Material aus den AKWs an, deren Entsorgung viele Milliarden Euro verschlingen wird. „Dieser Rückbau ist sehr teuer, nicht ungefährlich und dauert Jahrzehnte“, sagt Rau.

 

 

In dem Kino-Dokumentarfilm Atomkraft Forever, der von der Pier 53 Filmproduktion produziert worden ist, wirft Carsten Rau einen beunruhigenden Blick auf den nuklearen Albtraum. In sechs miteinander verwobenen Episoden zeigt er, welcher Aufwand mit dem Abriss eines gigantischen Atomkraftwerkes verbundenen ist, die Suche nach einem Endlager und lässt zudem Vertreter der französischen Atomindustrie zu Wort kommen, die noch mehr Kraftwerke planen. Insgesamt werden in 13 EU-Staaten Atomkraftwerke betrieben und der Ausbau geht weiter.

 

Nach der Weltpremiere bei DOK Leipzig und den Nordischen Filmtagen hat Atomkraft Forever beim Internationalen Film Fest Braunschweig den Green Horizons Award für den besten Film zum Thema Nachhaltigkeit abgeräumt. „Die Jury zeichnet diesen bewundernswert gedrehten und geschnittenen Film für seine ruhige und unparteiische Herangehensweise aus, mit der er die schwierigen Probleme der entgegengesetzten Atomenergiestrategien in Deutschland und Frankreich beleuchtet. Einblicke in äußerst schwierig zugängliche zentrale Orte der Atomindustrie beider Länder, sowie eine Vielzahl von Expertenstimmen – aus technischer, ökonomischer und politischer Perspektive – ermöglichen es dem Betrachter die Vor- und Nachteile der französischen und deutschen Atompolitik abzuwägen“, konstatiert die Jury in ihrer Begründung.

 

 

In Deutschland wird Atomkraft Forever am 18. März 2021 vom Camino Filmverleih in den Kinos gestartet.

 

Fotos/Videos: @Pier 53 Filmproduktion/Camino Filmverleih/ Internationales Film Fest Braunschweig

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