Energieeffizienz & Filmlicht

Ein erheblicher Teil der CO2-Emissionen am Set entsteht in der Regel durch die Stromversorgung. Um den ökologischen Fußabdruck von Film- und Fernshproduktionen zu reduzieren, wird oftmals empfohlen, LED-Scheinwerfer einzusetzen und Ökostrom zu beziehen. Beides ist zwar gut und sinnvoll, greift aber zu kurz, da die Zusammenhänge in ihrer Komplexität beleuchtet werden müssen. In dem Tutorial "Filmlicht & Energieeffizienz" erläutert Niels Maier, Oberbeleuchter und Geschäftsführer des Filmgeräteverleihers Maier Bros, worauf bei der Planung und Arbeit am Film-Set zu achten ist. Wichtig ist, stets den gesamten Aufbau auf seine Effizienz zu bewerten.

 

Die drei elementaren Segmentes des Lichtaufbaus bestehen aus der Stromversorgung, die beispielsweise aus dem Festnetz oder dem Generator erfolgt, der Stromumwandlung im Scheinwerfer, wo elektrische Energie in Licht umgewandelt wird sowie die jeweilige Anwendung. Dabei kommt es darauf an zu prüfen, wie hoch der Anteil der produzierten Lichtmenge ist, welche für die entsprechende Aufgabe genutzt wird. "Nur unter Einbeziehung aller drei Elemente ist zu beurteilen, ob die Umsetzung effizient erfolgt ist", betont Niels Maier. Der Einsatz eines lichtstarken LED-Scheinwerfers ist nicht effizient, wenn nur fünf Prozent der damit erzeugten Lichtmenge überhaupt genutzt werden. Je nach den jeweiligen Anforderungen kann sich unter Umständen ein HMI-Scheinwerfer als effizienteste Lösung für die entsprechende Aufgabe erweisen.

 

 

Ein wichtiger Indikator für die Effizienz eines Scheinwerfers ist die Angabe Lumen pro Watt. Dafür empfiehlt der Obeleuchter die ARRI Photometrics App zu verwenden, mit der sich für die unterschiedlichen Scheinwerfertypen anhand von Parametern wie Abstrahlwinkel und Entfernung die Lichtstärke in Lux ermitteln lässt. Anhand dieses Wertes kann mit Hilfe eines Lux-Lumen-Rechners die gesamte Lichtstärke des jeweiligen Scheinwerfersystems berechnet werden.

 

"Ein und derselbe Scheinwerfer kann in einer Aufgabe effizient sein und Strom sparen und erweist sich in einer anderen Anwendung als eine echte Stromschleuder", betont Niels Maier. "Bei weichem Licht sind aktiv gekühlte LED-Panel-Leuchsen die effektivsten Scheinwerfer , gefolgt von den passiv gekühlten LEDs und auch den Fluoreszenz." Dabei ist allerdings zu beachten, dass "aktiv gekühlt" bedeutet, dass ein Lüfter mitläuft, der eine höhere Lautstärke verursacht. "Das heißt bei hartem Licht benötigt eine LED-Stufenlinse ungefähr zwei bis dreimal so viel Strom wie ihr HMI-Kollege ."

 

Hinsichtlich der Stromverzeugung ist der Festnetzstrom eine weitaus umweltfreundlichere Lösung als der Einsatz eines Generators. Um den Ausbau der erneuerbaren Energien zu unterstützen, ist es wichtig, Ökostrom zu beziehen. Der Strom, der physikalisch aus der Steckdose kommt, ist jedoch stets der aktuelle Strommix. Der CO2-Emissionsfaktor für den Strommix in Deutschland, der aus der Steckdose kommt, beläuft sich nach den aktuellen Berechnungen des Umweltbundesamts auf 401 Gramm pro Kilowattstunde.

 

Die Nutzung von Akkus ist auch nicht klimaneutral, auch wenn am Einsatzort keine Abgase entstehen. Sogar beim Einsatz von Akkus mit einem hohen Wirkungsgrad von 90 bis 95 Prozent entstehen Verluste, so dass der Akku stets mit mehr Strom gespeist werden muss, als ihm am Ende entnommen werden kann, wie Niels Maier im Tutorial anschaulich demonstriert.

 

Foto/Video/Grafiken: © Maier Bros. GmbH, Bernd Burger/Fraunhofer ISE

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