Ein gemeinsamer CO2-Rechner

Mit dem europäischen Rechner Eureca wird ein benutzerfreundliches Online-Werkzeug entwickelt, mit dem sich die Umweltauswirkungen von Film- und Medienproduktionen in allen Stadien der Vorproduktion, Produktion und Postproduktion erfassen lassen. Der Eureca-Rechner soll Produktionscrews motivieren, nachhaltige Entscheidungen zu treffen.

 

Um die Branche zur Umsetzung umweltschonender Praktiken zu motivieren, muss ein Bewusstsein dafür geweckt, Auswirkungen aufgezeigt und die Besetzung sowie das Team einbezogen werden. Zudem sind Know-How, Förderung und die Entwicklung nachhaltiger Maßnahmen in den verschiedenen Gewerken erforderlich. CO2-Rechner sind ein gängiges Werkzeug in der Filmbranche, um den Fußabdruck von Produktionen zu berechnen und in Bereiche wie Transport, Stromerzeugung und -verbrauch, Abfall und Catering aufzuschlüs- seln. Der Schwerpunkt liegt dabei in der Regel auf der Messung von Kohlendioxid.

 

Im Rahmen des Interreg-Projektes Green Screen sind die bestehenden CO2-Rechner evaluiert worden; untersucht wurde die Relevanz und Genauigkeit der Messungen wie auch etwaige Schwachstellen in der Anwendung. Die Rechner sind nicht immer benutzerfreundlich, beziehen sich auf regionale Parameter oder bauen auf unterschiedlichen Kategorien auf. Dies erschwert eine Standardisierung für eine internationale Nutzung. Das größte Manko liegt darin, dass die Rechner meistens erst nach Abschluss einer Produktion eingesetzt werden. Somit liefern sie nur eine Bestands-aufnahme der fertigen Produktion, motivieren die Crew aber nicht zu nachhaltigen Entscheidungen während der laufenden Produktion.

 

Aus diesem Grunde haben die spanische Agentur Promalaga, die slowakische Film Commission und die flämische Filmförderung das Interreg-geförderte Eureca-Projekt initiiert, das die Entwicklung eines europäischen CO2-Rechners vorsieht, der für alle Film- und Medienproduktionen einsetzbar ist. Gemeinsam mit der in Flandern anssäsigen KU Leuven werden auf der Basis aktueller Forschungsergebnisse verlässliche Umrechnungsfaktoren und ihre korrekte Anwendung ermittelt. Um diese Parameter auf EU-Ebene anzuwenden, müssen in einigen Fällen regionale Bezugsgrößen wie der unterschiedliche Strommix in den verschiedenen Ländern berücksichtigt werden.

 

Eureca legt den Fokus nicht nur auf CO2-Emissionen, sondern erhebt auch Umweltauswirkungen von giftigen Sub- stanzen, Wasserverbrauch oder Säuregehalt. An der Entwicklung von Eureca ist eine breit angelegte Gruppe von Interessenvertretern beteiligt, die sicherstellt, dass der Rechner in den verschiedenen Filmregionen funktioniert. Eureca bietet Filmschaffenden die Option, auf Basis ihres Budgets eine grobe Schätzung vorzunehmen, in welchen zentralen Bereichen der Produktion die stärksten Umweltbelastungen entstehen. Dies bildet für Eureca die Grundlage, um die umweltrelevanten Einsparungen in einer Übersicht aufzuzeigen.

 

Zudem soll der Rechner Ergebnisse von verschiedenen Produktionen auf regionaler Ebene zusammenfassen und an das Green Film-Zertifizungssystem angebunden werden. Der Ansatz sieht vor, leicht verständliche Ergebnisse zu liefern, die im Team geteilt werden können. Die Entwicklung und Testphase soll 2021 abgeschlossen sein. Eureca kann gegen eine geringe Gebühr von Produzenten, Sendern, Film Commissions, Filmförderungen und politischen Entscheidungsträgern in ganz Europa genutzt werden.

 

Text und Foto: © Tim Wagendorg Nachhaltigkeitsexperte, Flämische Filmförderung in Belgien (VAF), Mitglied von Green Screen

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