Recycle, restore, reuse

Sorgsam gezimmerte Setbauten wie das Schlafgemach des Sonnenkönigs Ludwig XIV. in Versailles das pittoreske Café in der Provence oder die Studentenbude in der Hochhaussiedlung landen nach dem finalen „Cut“ des Regisseurs oftmals auf der Müllkippe. Dieser Ressourcenverschwendung wollen Szenenbildner in Frankreich ein Ende setzen. Die Ziele hat das kreative Netzwerk Eco-Déco, das von dem Branchen-Kollektiv Ecoprod unterstützt wird, in einer Charta formuliert.

 

Um die Umweltauswirkungen beim Szenenbild so gering wie möglich zu halten, ist
 ein Informationsaustausch über innovative Methoden, umweltfreundliche Produkte und Materialien erforderlich. Eco-Déco strebt den Aufbau eines Werkstattlabors an, in dem Hersteller ihre Produkte präsentieren und Anwender ihre Erfahrung austauschen können. Geplant ist auch eine grüne Liste mit umweltverträglichen Produkten und Materialien sowie entsprechenden Bezugsquellen.

 

Die Basis für ein nachhaltiges Set-Design bilden Wiederverwendung, Aufbewahrung und Wiederherstellung von standardmäßigen Dekorationselementen. Die zirkuläre Wertschöpfung besitzt sowohl ökologische als auch ökonomische Vorteile. Je länger Materialien wie Holz im Stoffkreislauf bleiben, um so mehr Ressourcen werden geschont, Emissionen und Abfälle vermieden und ökonomische Potenziale ausgeschöpft. An diesem Prinzip orientiert sich Philippe Boulenouard, der als Tischlermeister nicht nur Kulissen für französische Kinofilme von Regisseuren wie Jean-Pierre Jeunet und Claude Zidi baut, sondern auch mit seinem Unternehmen Les Trois Portes eine Standardisierung von Set-Konstruktionen in der Filmbranche eingeführt hat.

 

 

 

„Die Paneele verfügen über die gleichen Standardmaße, damit sie wieder für die Filmausstattung verwendet werden können”, erklärt William Abello, Initiator von Eco-Déco. „Dadurch sparen wir wertvolle Arbeitszeit, benötigen aber wesentlich mehr Lagerraum.“ Da sich die Kreativen die hohen Mieten in Paris nicht leisten können, werden sie zunehmend in Randgebiete verdrängt. In den Pariser Vororten Bagnolet und Montreuil befindet sich die La Ressourcerie du Cinéma, die Holzteile, Türen, Fenster, Bodenbeläge und Platten aus dem Kulturbereich sammelt, aufbereitet und vermietet. Einen Einblick in die unterschiedlichen Stile, Farben und Formen der Fenster, Türen und Hintersetzer gibt ein interaktiver Online-Katalog.

 

Damit noch mehr Material im Kreislauf bleibt, rettet Matthieu Genin mit der Organisation Arlequin Matériaux noch verwertbare Materialien aus Schuttcontainern. Zu den Zielsetzungen der Filmausstatter gehört gesetzlich festzuschreiben, dass jedes Filmstudio Container für die verschiedenen Abfallströme aufstellen muss. Ecoprod schätzt, dass rund 22 Prozent der CO2-Emissionen einer Filmproduktion durch die Ausstattung entstehen.

 

Laut einer aktuellen Ecoprod-Studie belief sich der ökologische Fußabdruck der französischen Film- und Medienbranche 2018 auf rund 1,7 Mrd. Tonnen CO2, was mehr
als 33.000 Erdumrundungen mit dem Auto entspricht. „Wenn die Medienbranche ihre Praktiken nicht durch vernünftige Alternativen ersetzt, um Ressourcen zu schonen und CO2-Emissionen zu reduzieren, sind drastische Beschränkungen zu erwarten“, lautet das Fazit der Studie. Die ökonomische und ökologische Stabilität der Medienbranche hänge davon ab, dass organisatorische und technische Lösungen sowie Verhaltensänderungen erfolgen. Ecoprod will die Kreativen bei diesem Transformationsprozess unterstützen, der ihnen neue Chancen, Entwicklungen und Kooperationsmöglichkeiten bietet.

 

Fotos: © William Abello/Eco-Déco

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