Grünes Kino in Venedig

Zum ersten Mal wird die Filmbiennale in Venedig ihren ökologischen Fußabdruck ermitteln und auswerten. Nachdem die Berlinale verschiedene umweltschonende Maßnahmen eingeführt und auch Cannes in diesem Jahr erstmals ein Klimaschutzprogramm aufgelegt hat, setztn die 78. Internationalen Filmfestspiele in Venedig nun erstmals auf einem Umweltmanagementplan, der künftig auf alle Aktivitäten und Events der Biennale’s ausgedehnt werden soll. Der erste Schritt in Richtung Klimaneutralität besteht darin zunächst die Treibhausgasemissionen zu ermitteln, die mit der gesamten Produktion und Abwicklung des Festivals verbunden sind, um diese direkt oder indirekt zu kompensieren.

 

Das Festival setzt bei der Zertifizierung der angestrebten Klimaneutralität auf den Standard PAS2060 der britischen Normungsorganisation, der ein Regelwerk bietet, wie sich Treibhausgase ermitteln, reduzieren und ausgleichen lassen.  
Um eine glaubwürdige Basis für diese SElbstverpflichtung zu schaffen, wird das Projekt von der externen unabhängigen Gesellschaft RINA begleitet, welche die Zertifizierung des erreichten Ziels vornehmen wird. Ein langfristiges Ziel der künftigen Editionen des Venendig Film Festivals und den Aktivitäten der Biennale in Venedig sieht Maßnahmen vor, die zu einer massiven CO2-Senkung führen und auch das Publikum einschließen sollen.  

Eine der ersten Aktionen, die während der 78. Internationalen Filmfestspiele in Venedig stattfanden, war eine Baumpflanzung, mit der eine Reihe berühmter Regisseure gewürdigt werden, die das Filmfestival in den letzten Jahrzehnten besucht haben. Initiiert worden ist das Projekt vom Green Cross mit Unterstützung der venezialischen Gendamerie, in dessen Rahmen mehr als fünfzig Bäume auf einem ehemaligen Militärgelände in Venedig gepflanzt worden sind. Zur Delegation der Umwelt-Aktvisten, die mit einem knallbunten Elektroboot zu der Insel fuhr, gehörte die italienische  Schauspielerin Ottavia Piccolo. Mit von der Partie war auch der amerikanische Schriftsteller John Woods, der seinen Öko-Thiller Lady Chevy in Venedig vorgestellt hat, für den gerade die Verfilmungsrechte verkauft worden sind.  

Grünes Kino ist nicht auf die Inhalte auf der Leinwand beschränkt. Der effiziente Einsatz von Energie and Ökostrom kann ganz erheblich die Betriebskosten im Kino senken, wie Birgit Heidsiek, FFA-Beauftragte Grünes Kino, bei der Podiumsdiskussion zum Grünen Kino ausführte. Dem nationalen Kinoberband Cinema Exhibitors‘ Association (A.N.E.C.) zufolge, resultieren rund sechzig Prozent der Stromkosten in den Kinos aus Kühlung und dem Einsatz von Klimaanlagen.  

Nevina Satta, Leiterin der Sardegna Film Commission, plädiert für einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich verpflichtend sein sollte. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die nachhaltige öffentliche Beschaffung, die dabei als ein zentraler Hebel fungiert. Seitdem die Sardegna Film Commission 2015 in Italien grüne Initiativen für den Filmproduktionsbereich vorgestellt hat,sind diese Best Practices und Ansätze von verschiedenen italienischen Film Commissions aufgegriffen worden. Zu ihnen gehört die Trentino Film Commission, deren Kriterien für das Green Film System die Regionen Emilia-Romagna und Veneto übernommen haben.  

Ungeachtet dessen ist der italienische  Filmemacher Michelangelo Frammartino , dr durch sein stummes Meisterwerk Le quattro volte international bekannt geworden ist, nach Kalabrien zurückgekehrt, wo ihn der Bürgermeiser des Dorfes auf eine Tour in den Naturpark Pollino mitgenommen hat. Dort befindet sich 700 Meter unter dem Meeresspiegel die Bifurto  Höhe, welche die tiefste in ganz Europa ist. In dem Venedig-Wettbewerbsfilm Il buco führt er durch unbekannte Tiefen des Lebens und der Natur und zwei beeindruckende Reisen ins cInnere. Dieses nahezu wortlose Werk hat ihm den Spezialpreis der Jury und den Green Drop Award 2021 eingebracht.  



Photos:© GFS, Essential Filmproduktion

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