Der wahre Preis von billigen Holzprodukten

Bäume in einem Naturschutzgebiet zu fällen ist bekanntlich verboten. Dennoch vernichten illegale Holzfäller alle zwei Sekunden weltweit eine Waldfläche von der Größe eines Fußballfeldes – und das auch direkt vor unserer Haustür. In dem Umwelt-Thriller Wood – Der geraubte Wald geht Alexander von Bismarck, Ururgroßneffe des Eisernen Kanzlers und Kopf einer NGO in Washington, mit versteckter Kamera dem Handel mit illegal geschlagenem Holz nach, der ein globales Milliardengeschäft darstellt. Mit einem Umsatz von rund 100 Milliarden Dollar im Jahr nimmt die organisierte Holzmafia weltweitnach Drogenhandel, Produktpiraterie und Menschenhandel den vierten Platz ein.

 

Bis zu einem Drittel des weltweit gehandelten Holzes stammt aus illegalen Quellen. Bei Tropenholz sind es sogar bis zu 90 Prozent. Da Raubfäller weder Ausgaben für Wieder- aufforstung haben noch Arbeits- und Umweltschutzauflagen erfüllen, drücken die illegal gefällten Bäume den Weltmarktpreis für Holz um bis zu 16 Prozent. Das meiste Holz, das in Deutschland verfeuert und bewohnt wird, stammt aus den europäischen Nachbarländern und Russland. Seit dem Fall des eisernen Vorhangs sind sind viele der letzten ursprünglichen Wälder Wilderern, der Holzmafia und geschäftstüchtigen Fabrikanten ausgeliefert.

 

Nirgendwo in Europa werden in so kurzer Zeit so viele Wälder gerodet wie in Rumänien. Jede Stunde verschwindet dort eine Waldfläche von drei Hektar. Mit rund 28.000 Hektar Wald im Jahr wird dort drei Mal so viel Holz geschlagen wie gesetzlich erlaubt ist. Die Folge sind Erosionen, durch die das Wasser ungehindert in die Täler strömt, wo es für Überschwemmungen und Hangabgänge sorgt. Fast die Hälfte der Kahlschläge liegt in Schutzgebieten. Doch selbst Nationalparks werden nicht von den Holzfällern verschont.

 

Vom illegalen Holzschlag betroffen sind auch die Karpaten, die eine Heimat für über 90 verschiedene Säugetiere wie Bären, Wölfen, Bisons, Steinadler, Luchse, 300 Vogelarten und seltene Fische bieten. Die Buchenwälder der ukrainischen Karpaten gehören nicht nur zum Unesco-Weltnaturerbe, sondern sind auch für die internationale Holzindustrie besonders interessant. Allein in der Ukraine werden offiziell jedes Jahr rund 20 Millionen Kubikmeter Holz gefällt. Hinzu kommen die Abholzungen, die ohne Genehmigung erfolgen. “Der Kampf gegen diese Abholzung ist so alt und gleichzeitig so erfolglos wie der Kampf gegen die Korruption”, konstatiert die taz, die ihre investigative Recherchen in einem ausführlichen Bericht zusammengefasst hat.

 

Mit einem Moratorium ist dort seit 2015 versucht worden, dem illegalem Holzfällen Einhalt zu bieten. Doch die EU hat die Ukraine im Dezember 2020 per Schiedsgericht verpflichtet, das Moratorium auf den Export von Rohholz aufzuheben. Die Ukrainische Umweltschutzgruppe berichtet in der Studie Trees cannot scream, dass eine minimale Vorbearbeitung des Holzes wie ein paar Einschnitte ausreichen, damit es nicht mehr als Rohholz bezeichnet werden kann. Erschwerend hinzu kommt, dass die staatlichen Forstunternehmen, die für alle Waldarbeiten einschließlich Abholzungen zuständig sind, zugleich kontrollieren sollen, ob diese Tätigkeiten legal sind.

 

Nach Recherchen der Organisation Earthsight verfügen sogar Kontrolleure des Ökogütesiegels FSC über ein sehr gutes Verhältnis zu korrupten Beamten. In einem Offenen Brief wird erläutert, dass die aufgeweichten Umweltstandards  des Forest Stewardship Council inzwischen mehr die Holzfäller als die Wälder schützen. Umweltorganisationen wie Greenpeace haben längst ihre FSC-Mitgliedschaft an den Nagel gehängt. Die Schwächen dieses Systems hat Greenpeace im März 2021 in dem Report Destruction Certified herausgearbeitet.

 

Die Doku Wood – Der geraubte Wald von Michaela Kirst, Ebba Sinzinger und Monica Lazurean, die Filmtank Audience am 16. Dezember 2021 im Kino gestartet hat, vermittelt eine Ahnung vom wahren Preis der angeblich so billigen Holzprodukte, die in westlichen Bau- und Möbelmärkten verramscht werden. Die Käufer goutieren die niedrigen Preise im Baumarkt und Möbelhaus, ohne etwas über die Herkunft dieser günstigen Ware zu wissen.

 

Um den katastrophalen Folgen des Raubbaus in den Wäldern ein Ende zu setzen, hat sich Alexander von Bismarck der Environmental Investigation Agency (EIA) angeschlossen und konzentriert sich als Leiter des Büros in Washington auf verdeckte Ermittlungen. Das Ziel ist, ein politisches und öffentliches Bewusstseins für die Folgen des illegalen Holzhandels zu schaffen. In den USA ist mit dieser Strategie inzwischen erreicht worden, dass der Import von illegalem Holz bestraft und die Beweislast umgekehrt worden ist. Der Importeur muss die Sauberkeit der ganzen Bearbeitungs- und Handelskette seines Holzprodukts ab Schlagen des Baumes nachweisen. Seit der Einführung dieses Gesetzes ist der illegale Holzschlag weltweit um 22 % zurückgegangen.

 

Die EIA möchte auch in Europa ähnliche Rahmenbedingungen schaffen, welche eine lückenlosen Beweiskette über die Herkunft des Holzes erfordern. In Rumänien, wo ein großes skandinavischer Möbelkonzern von der illegalen Abholzung profitiert, leben Umweltschützer gefährlich. Die rumänische Landwirtschaftsministerin wurde Opfer eines Quecksilber-Anschlags und zwei Förster haben ihr Engagement mit dem Leben bezahlt.

 

Fotos/Video: © Filmtank Audience

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