Neue Mobilitätskonzepte

Der Straßenverkehr verursacht etwa 18 Prozent aller weltweiten CO2-Emissionen, wovon knapp ein Drittel auf Logistik und Transport entfällt. 2019 beliefen sich die CO2-Emissionen, die in Deutschland durch LKWs mit Dieselmotoren verursacht werden, auf rund 111 Gramm CO2 je Tonnenkilometer. Ab 2025 müssen neu zugelassene Nutzfahrzeuge in der EU spezifische Emissionsziele erreichen. Bei Überschreitung drohen Strafzahlungen bis zu 65.000 Euro pro Fahrzeug. Für lange Strecken von Nutzfahrzeugen werden alternative Formen der Energiespeicherung wie Wasserstoff benötigt, doch deren Marktdurchdringung erfordert Zeit.

 

LKWs mit Elektroantrieb sind bislang kaum verfügbar. Ein Nachteil der Elektromobilität ist die geringe Energiedichte der elektrochemischen Speicher, die oft zu tonnenschweren Batterien führt. Bei einem batterieelektrischen 12-Tonnen-LKW mit einer Batteriekapazität von 200 kWh und einer Reichweite von 200 Kilometern bringt die Batterie rund 2,5 Tonnen Zusatzlast auf die Waage. Eine umweltfreundliche Alternative sind LKWs mit CNG-Antrieb (Compressed Natural Gas), die es hinsichtlich Leistung und Nutzlast mit einem Diesel-LKW aufnehmen können. „Die Koffer und Fahrgestelle sind gleich, nur die Motoren unterscheiden sich”, erklärt Niels Maier, der mit seinem Filmgeräteverleih Maier Bros. auch CNG-LKWs vermietet. Die 12-Tonnen-LKWs transportieren sechs Tonnen Material, beim 7,2 Tonner liegt die Zuladung bei knapp drei Tonnen.

 

Mit einem CNG-betriebenen 7,2 Tonner hat Maike Maier ihr schweres Kamerabühnen-Equipment nahezu emissionsfrei zu Produktionen wie Sönke Wortmanns Eingeschlossene Gesellschaft und Gugelhupfgeschwader durch halb Deutschland transportiert. „Ich habe Tankstellen angesteuert, die kein CNG aus Erdgas, sondern Biomethan anbieten, das aus Gülle, Bioabfällen und Stroh hergestellt wird“, berichtet Maike Maier, die ihre Routen mit Hilfe der CNG-App navigiert. Da deutschlandweit erst rund 800 CNG-Tankstellen in Betrieb sind, müssen die Tankstopps geplant werden.

 

Ein CNG-LKW benötigt auf einer 600 km langen Strecke von Berlin nach München
drei Tankladungen. Da sich die CNG-Tankstellen nicht direkt an der Autobahn befinden, veranschlagt sie für derartige Strecken zwei Tage. Im Vergleich zum Diesel hat sie auf 4.500 km insgesamt 250 Euro gespart, der Zeitkostenfaktor war jedoch höher. „Ich sehe das als Vorteil“, betont Maike Maier, „weil ich entschleunigter unterwegs bin, wenn ich auf der Fahrt in einem Hotel übernachte.“ Dieses Slow-Down-Prinzip begeisterte  Anke Engelke, die sich am Set von Eingeschlossene Gesellschaft für den Biogas- LKW interessierte. „Auf einmal war Entschleunigung für alle ein Thema.“

 

Neue Ansätze im Bereich Mobilität fördern auch kreative Potenziale. Beim Dreh der Ziegler Film-Produktion Homeshoppers Paradise in Freiburg ist der Fuhrpark auf ein Minimum reduziert und durch Lastenräder ersetzt worden. Der Vorteil: Es wurden CO2-Emissionen eingespart und keine Parkplätze mehr benötigt. „Wir haben die Lastenräder auch für längere Kamerafahrten eingesetzt, für die normalerweise Schienen verlegt werden“, berichtet der Green Consultant Jakob Reinhart. „Der Kameramann hat sich in den Anhänger eines Lastenrads gesetzt und die Fahrt mit der Kamera auf der Schulter gedreht.“

 

Fotos: © Maiker Maier Grip, Aliccha Merker; Foto/Video: Jakob Reinhart

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