Eisvogel-Verleihung im Livestream

Das Bundesumweltministerium (BMUV) rollt den roten Teppich für die grüne Filmproduktion aus. Der Eisvogel – Preis für nachhaltige Filmproduktionen wird vom Bundesumweltministerium und der Heinz Sielmann Stiftung in Kooperation mit der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und der Produzentenallianz vergeben.

 

„Ich freue mich sehr, dass wir mit dem ‚Preis für nachhaltige Filmproduktionen‘ einen weiteren wichtigen Schritt bei der Etablierung von Strukturen für die ökologische und klimafreundliche Produktion in Deutschland machen“, erklärt Peter Dinges, Vorstand der Filmförderungsanstalt (FFA), der gemeinsam mit dem Regisseur Lars Jessen, der Produzentin Susanne Freyer, der Umwelt-Expertin Bettina Rechenberg und FritzBrickwedde von der Heinz Sielmann Stiftung der Jury angehört.

 

Maßgeblich für eine Auszeichnung im Wettbewerb ist, dass die teilnehmenden Produktionen sich bei der Planung und Realisierung an umweltverträglichen Maßstäben orientiert und ihre Umweltbelastungen durch besondere Innovationen erheblich reduziert haben. Dabei kann essich sowohl um technische Innovationen im Bereich der Film- und Studiotechnik handeln als auch um organisatorische Innovationen, die auf eine Optimierung der Produktionsabläufe abzielen.

 

Für den „Eisvogel“ sind sechs Produktionen sowie zwei Nachwuchsfilme nominiert. Zu den Anwärtern gehört die fünfteilige Dokumentarserie SaFahri – Eine Reise zu den Elementen, in der ein Großstädter seine urbane Komfortzone verlässt, um die Natur zu verstehen. Aufgrund des besonderen Charakters dieser Produktion wollte die Bon Voyage Film diesen Ansatz auch in der Produktionsweise reflektieren. Bei dieser filmischen Tour von den Bergen bis zum Meer, die an 28 Drehtagen an 33 Drehorten erfolgte, wurde zu 95 Prozent auf den Einsatz von Lampen verzichtet. Durch die Verwendung lichtstarker Kameras und akkubetriebener LED-Lampen, die nur in Ausnahmefällen eingesetzt wurden, konnte der Energieverbrauch erheblich reduziert werden.

 

Auf ein innovatives und energiesparendes Lichtkonzept setzten ebenfalls die Beleuchter und Kameraleute bei dem von Unafilm produzierten Tatort Dortmund – Gier und Angst. Ein weiterer „Eisvogel“-Anwärter ist die Literaturverfilmung von Die stillen Trabanten, bei der die Sommerhaus Filmproduktion umweltschonende Lösungen im Bereich Ausstattung und Kulissenbau wählte. Eine kreative Lösung für die Produktion von Kunstschnee entwickelte der Hessische Rundfunk bei der Eigenproduktion Die Luft, die wir atmen. Die Nutzung des Regenwasserspeichers eines ansässigen Bauern ermöglichte es, mit Hilfe von Kieselsäure aus Regenwasser Schneeflocken herzustellen.

 

Auch zwei französische Produktionen sind unter den Bewerbern für eine Auszeichnung. Bei den Dreharbeiten des Spielfilms Tempête reinigten die Szenenbildner ihre Malerwerkzeuge und lackierten Materialien mit einer mobilen Waschanlage, dank der keine schadstoffbelasteten Flüssigkeiten in die Umwelt gelangen. Bei diesem Walzen- und Pinselreinigungssystem wird das Schmutzwasser mittels eines Spaltmittels auf Bentonit-Basis aufbereitet.

 

Für den Dokumentarfilm Les Incorrectes über internationale Spitzensportlerinnen, die vor einem Jahrhundert um ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen gekämpft haben, wurden Frauen in Europa, den USA, Neuseeland und Afrika interviewt. Statt mit dem Filmteam rund um den Erdball zu fliegen, wurden an den verschiedenen Orten lokale Kamera-Crews engagiert. Die Regisseurin blieb in Paris und stellte ihre Interviewfragen via Zoom. Dank der Remote-Produktion waren keine Flüge erforderlich. Der CO2-Fußabdruck des Dokumentarfilms, der sich unter herkömmlichen Produktionsbedingungen auf zwölf Tonnen CO2-Äquivalente belaufen hätte, wurde auf 2,8 Tonnen CO2-Äquivalente reduziert. Die Vermeidung der Reisekosten
schlug mit rund 15.000 Euro zu Buche.

 

Aufgrund meist knapper Budgets sind auch Nachwuchsfilmproduktionen gefordert, sparsam mit Energie und Ressourcen umzugehen, was zur Umsetzung nachhaltiger Lösungen wie Fahrgemeinschaften, Nutzung von Fahrrädern, gebrauchten Materialien oder Dreh mit natürlichen Licht führt. Als Nachwuchsproduktionen sind Metanoia von Alina Podschun und Alles Perfekt von Fabian Gataavizadeh für den „Eisvogel“ nominiert.

 

Die feierliche Verleihung des Eisvogel-Preis für nachhaltige Filmproduktionen findet am 20. Juni 2022 von 13 bis 14.30 Uhr statt. Die Heinz Sielmann Stiftung kürt den Gewinner dieses internationalen Wettbewerb mit einer Prämie von 20.000 Euro. Die Preisverleihung wird per Livestream übertragen.

 

Fotos:  © Bosko/Shutterstock, Envro, Luis Tokarski

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