Kurze Lieferketten im Kino

Eiskrem im Kino ist ein Klassiker. Doch Eis ist nicht gleich Eis. Einige Kinos verzichten inzwischen auf das gängige Industrieeis. In Zusammenarbeit mit lokalen Eismanufakturen sind neue Konzepte entstanden, die von eigenen Eiskreationen bis hin zur Vermeidung von Verpackungsabfall reichen. „Wir haben das Industrie-Eis aus unserem Sortiment genommen“, erklärt Gerda Kroiß, Inhaberin des Roxy Kinos in Abensberg, „und bieten ein eigenes Popcorn-Karamell-Eis an, das in der örtlichen Eismanufaktur hergestellt wird. Kreiert hat das ‚Roxy Cinestar‘-Eis der Gelato World Master Germany-Gewinner Adriano, der in Abensberg die italienische Eisdiele „La Dolce Vita” betreibt.

 

Im Filmkunsttheater Casablanca in Nürnberg kommt das handgemachte Eis aus überwiegend bio-zertifizierten Zutaten aus „Der kleinen Eismanufaktur“, die sich ganz in der Nähe in der Altstadt befindet. Bei der Auswahl der Zutaten setzt die Inhaberin Josée Boucher auf Kooperation mit lokalen Erzeugern. „Wir beziehen unsere Milch von einem Biomilchbauern, der nur zwanzig Minuten von uns entfernt ist.“ Die Tiere erhalten dort ganzjährigen Auslauf und heimische Futtermittel. Importiertes Soja, Gentechnik und Glyphosat sind tabu. Auch die Erdbeeren stammen von einem Biohof in der Region.

 

Für jede Eissorte gibt es eine eigene Rezeptur, die ohne künstliche Zusatzstoffe wie Pulveraromen auskommt. Bei der Herstellung werden Rohmilch mit Sahne, Zucker und Früchten durch Erhitzung auf 80 Grad pasteurisiert. Die flüssige Eismasse wird in einen Gefrierzylinder unter ständigem Rühren auf minus 9 Grad Celsius herunter gekühlt. Geliefert wird das Eis in Mehrweggläsern mit wieder verschraubbaren Deckeln, die in der Spülmaschine gereinigt werden und im Kreislauf verbleiben. „Die Löffel kommen aus unserem Café, so dass keinerlei Verpackungsabfall anfällt“, erklärt Matthias Damm, Theaterleiter des Casablanca.

 

Auf  traditionelles Handwerk bei der Eisherstellung setzt die Florida Eis Manufaktur in Berlin-Spandau, die Filmtheater wie das Hackesche Höfe Kino, das Sputnik und das Union Kino in Berlin oder das Movie im Luitpoldhaus in Marktheidenfeld beliefert. Ausgesuchte Zutaten wie frische Früchte und ein schonender Herstellungsprozess bilden einen  Gegenpol zur Industrieproduktion. Das Milcheis wird mit Butter hergestellt. Auf künstliche Aromen wird verzichtet. Neu ist die Produktlinie mit veganem Eis wie beispielsweise Vanilleeis auf Haferbasis mit fruchtigem Mango-Maracuja.

 

Für die umweltfreundliche Eisherstellung sorgt ein effizientes Energiekonzept, bei dem Photovoltaik, Solarthermie und Rückgewinnungssysteme aus der Kältetechnik ineinandergreifen. Die Photovoltaik-Anlage auf dem Gründach liefert Strom für die Produktion. Die kältetechnischen Energiequellen sind an ein Kreislaufsystem angeschlossen, das warmes Wasser für die Adsorptionskälteanlage gewinnt. Mit Hilfe der Adsorber-Technik werden die Produktionsräume klimatisiert. Allein die Isolierung der Tiefkühlzelle mit einem Permafrostboden aus recyceltem Glasschaumschotterspart mehr als 100.000 kW jährlich.

 

Die Klimabilanz des Unternehmens: In elf Jahren wurden rund 6,5 Tonnen CO2 eingespart. Ausgeliefert wird das Eis in Elektro-LKWs mit Speicherkühlung. Die Florida-Eistruhen in den Kinos werden mit Propangas betrieben, das ein wesentlich geringeres Treibhauspotenzial als synthetische Kältemittel besitzt.

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