Zum 1. November 2025 gilt für alle mit Bundes- oder Ländermitteln geförderten deutschen Kino-, TV- und Online-/VoD-Produktionen die neue Fassung der Ökologischen Standards, auf die sich der Arbeitskreis Green Shooting und die Bundes- und Länderförderungen geeinigt haben. Die Einhaltung der ökologischen Standards ist seit 2023 eine grundlegende Voraussetzung für die Beantragung und Gewährung von Fördermitteln im Filmbereich. Darüber hinaus werden die Standards im Rahmen einer freiwilligen Selbstverpflichtung von Medienunternehmen, Plattformen, Sendern und weiteren Branchenakteuren angewendet. Dadurch werden die ökologischen Anforderungen systematisch in die Planung, Umsetzung und Nachbereitung von Filmproduktionen integriert.
Im Zuge des Evaluationsprozesses der Ökologischen Standards für deutsche Kino-, TV- und Online-/VoD-Produktionen ist die Anzahl der Muss-Vorgaben von 22 auf 25 erhöht worden, um das Ambitionsniveau zu erhöhen. Bei der Anpassung der Anforderungen müssen die Verfügbarkeiten am Markt, der aktuellen Stand der Wissenschaft und Technik sowie klima- und umweltrelevante Entwicklungen berücksichtigt werden. Mit der Evaluierung und Weiterentwicklung der Anforderungen wird ein Nachhaltigkeitsboard betraut, das paritätisch mit Vertretern des Green Shooting-Arbeitskreises und der Bundes- und Länderförderungen besetzt ist.
Die Einhaltung der ökologischen Standardswird wird durch eine einheitliche Nachweisführung sichergestellt. Die ökologischen Standards sind in fünf Handlungsfelder unterteilt, die sich in allgemeine Vorgaben, Energieeinsatz- und -nutzung, Personen und Materialtransport, Unterbringung und Verpflegung sowie Materialeinsatz- und -nutzung gliedern. Eine Produktion ist gefordert, 25 Muss-Kriterien zu erfüllen. Von diesen Vorgaben sind maximal sechs Abweichungen erlaubt.
Eine Änderung betrifft den Einsatz von Generatoren zur Stromversorgung am Set. Die Produktionen sind grundsätzlich gefordert, ihren Strom aus dem Festnetz zu beziehen. Bei Drehs on location, wo kein technisch geeigneter Netzanschluss vorhanden oder per Kabel über 100 Meter entfernt ist, dürfen Generatoren verwendet werden. In diesem Fall sind Hybrid- und Gasgeneratoren sowie mobile Stromspeichersysteme zugelassen. Diesel-Generatoren dürfen nur eigesetzt werden, sofern sie über die Abgasnorm Stage IIIA mit Partikelfilter verfügen. Als weitere Ausnahme erlaubt sind Generatoren, die ausschließlich mit HVO-Kraftstoff (Hydrotreated Vegetable Oil) betrieben werden.
Im Bereich Lichttechnik sind die Vorgaben leicht gelockert worden. Generell müssen ausschließlich energieeffiziente Lichtquellen wie beispielsweise LED-Scheinwerfer bei Studioproduktionen eingesetzt werden. Lichtquellen auf Basis von Glühlampen und Halogenstrahlern sind hingegen nicht zugelassen. Der Realitätscheck hat gezeigt, dass sich diese Anforderungen in der Praxis mitunter als schwierig erweisen. Daher können in künstlerisch begründeten Ausnahmefällen Dedolights und andere Halogen-Kleinscheinwerfer bis 300 Watt Leistung, Halogen-Verfolger, Halogen-Projektoren sowie Halogen-Profilscheinwerfer verwendet werden.
Um die Kreislaufwirtschaft bei der Beschaffung von Kulissen- und Dekomaterial anzukurbeln, müssen bei neu beschafften Materialien für die Ausstattung mindestens zwanzig Prozent dieser Materialien aus Rezyklaten bestehen oder schon einmal zum Einsatz gekommen sein. Eine weitere neue Muss-Vorgabe bezieht sich auf die ressourcenschonende Entsorgung von Kulissen und Dekorationen. Materialien, die nicht wiederverwendet werden, müssen zum Recycling in die entsprechenden Fraktionen getrennt werden.
Dem Umweltbundesamt zufolge werden in Deutschland nur sechzig Prozent der gewerblichen Siedlungsabfälle getrennt, von denen nur etwa fünfzig Prozent die technischen Anforderungen der Vorbehandlungs- bzw. Sortieranlagen erfüllen. Um diese Defizite zu beheben, soll 2026 eine Neuregelung der Gewerbeabfallverordnung (GewAbfV) in Kraft treten.
“Die Medien spielen eine zentrale Rolle im Kampf gegen den Klimawandel. Es ist wichtig, in Filmen, im Fernsehen und all den anderen Auswertungskanälen immer wieder darauf hinzuweisen, dass es Lösungen gibt, die wir heute umsetzen können. Wir müssen die Menschen ansprechen und sie zum Handeln auffordern. Filme wie Avatar, The Day After Tomorrow und Dokus wie Years of Living Dangerously, bei der ich stolz darauf war, dabei sein zu können, sind sehr beliebt; sie erreichen und inspirieren Millionen von Menschen.
Ich bin fest davon überzeugt, dass vor allem Filme mit ihrer starken Inspirationskraft die Menschen dazu bewegen können, selbst aktiv zu werden. Es ist großartig zu sehen, das einige meiner Freunde aus der Filmbranche mit Klimaschutzorganisationen zusammenarbeiten, um diese Nachrichten weiter zu verbreiten.“
"Es ist höchste Zeit, Dreharbeiten in Deutschland endlich ein wenig ‚grüner‘ und nachhaltiger zu organisieren. Bisher staune ich Bauklötze, wie umweltfeindlich der Großteil unserer Branche arbeitet.
Das fängt mit den bis heute nur einseitig bedruckten Drehbüchern an, geht mit den PET-Flaschen in Produktionsbüros und den Unmengen an Plastikmüll bei jedem Catering weiter und hört bei den dicken Limousinen zwecks Roter-Teppich-Vorfahrten leider nicht auf.
Ich lasse mich seit Jahren gerne belächeln, wenn ich mit meiner eigenen Tasse komme und mich weigere, von Papp- oder Plastiktellern und mit Plastik-Besteck Billigfleisch zu mampfen. Es wäre großartig, wenn der Grüne Drehpass hier etwas verändern könnte."
„Es ist fantastisch, dass sich mittlerweile Filmemacher auf der ganzen Welt zusammenreißen und versuchen, ihre Filme so nachhaltig wie möglich zu drehen. Ich denke, wir sollten die starke Kraft der bewegten Bilder nicht unterschätzen, welche die Herzen und Seelen der Menschen verändern.
Neben dem Versuch, in unserem eigenen Bereich umweltbewusster zu handeln, können wir auch das Bewusstsein dafür schärfen. Denn Kino kann die Welt verändern.Die Filmemacher sollten damit beginnen, diese wirkungsvolle Waffe einzusetzen und ihre Kamera in die Hand nehmen.
Lasst uns nicht nur versuchen, „weniger schlecht“ zu sein. Lasst uns versuchen, das Richtige zu tun, um eine Veränderung zu bewirken, die wir alle dringend benötigen.“
“Wir leben in einer Zeit, in der wir uns nicht mehr verantwortungslos der Natur gegenüber verhalten dürfen. Um so wichtiger ist es, dass auch Filmproduktionen versuchen, so umweltschonend wie möglich zu arbeiten. Ein Filmteam produziert jeden Tag Berge von Müll. Ich selbst versuche beim Dreh auf Plastikbecher zu verzichten, bringe meine eigene Tasse mit, benutze umweltfreundliche Kosmetika und vermeide unnötige Einzelfahrten.”
Foto ® Maddalena Arosio
Darren Aronofsky, Regisseur von Noah / Jurypräsident der 65. Internationalen Filmfestspiele Berlin
“Als wir Noah gefilmt haben, war uns klar, dass wir einen Film über den ersten Steward der Welt drehen, deshalb wollten wir selbst gute Stewards sein. Bei Dreharbeiten fällt in der Regel unglaublich viel Müll an. Durch Organisationen wie die Earth Angel waren wir in der Lage, das ein bisschen einzudämmen.”
„Wir sind grün. Bei einer Filmproduktion fällt sehr viel Müll an, was uns besonders bewusst wird, wenn große Sets abgebaut werden. Wir beteiligen uns deshalb stark an einem Recycling-Programm. Wir unternehmen all diese Anstrengungen, um so nachhaltig wie möglich zu sein.“
Vorsitzende des PGA Green West / Produzentin und Moderatorin von EcoPop TV
„Als Fernseh- und Filmproduzentin versuche ich, möglichst viele umweltfreundliche Handlungen in meine Geschichten einzubauen. Denn das ist genauso wichtig, wenn nicht sogar mehr, wie nachhaltig hinter den Kulissen zu arbeiten!
Zu diesem Zweck beteilige ich mich an PGA Green, der grünen Initiative des Producers Guild of America. Wir unterstützen Produzenten mit praktischen Ratschlägen und einem CO2– Rechner, damit sie nachhaltiger produzieren.
Wir haben in Partnerschaft mit den Hollywoodstudios den kostenlosen www.greenproductionguide.com kreiert, der als grüne Datenbank mit über 2.000 Lieferanten weltweit nachhaltige Produktionslösungen bietet!“
„Ich würde mich sehr freuen, wenn ich die Gelegenheit bekomme, in einem grünen Film mitzuspielen. Unsere Umwelt ist, was uns inspiriert, deshalb müssen wir sie schützen.“
Regisseur (Fraktus, Dorfpunks, Am Tag als Bobby Ewing starb)
„Es ist etwas peinlich, dass das grüne Thema jetzt erst in unserer Branche ankommt, denn es gibt schon lange viele Möglichkeiten, effizienter zu drehen.
Technische Innovationen wie energiesparende Beleuchtungstechnik sind dabei genauso wichtig wie die Sensibilität jedes einzelnen Team-Mitglieds.“
Douglas Trumbull, Produzent, Regisseur und Visual Effects Supervisor (2001: Odyssee im Weltraum, Blade Runner)
„Die Trumbull Studios in Massachusetts versuchen so grün zu sein wie möglich, wozu der Einsatz von LED-Scheinwerfern, Sonnenenergie und Solar-Laptops gehört. Und zwar nicht nur, weil die Stromstärke und der Drehstrom an unserem Standort begrenzt sind, sondern weil wir davon überzeugt sind, dass wir als Branche gegenüber der Allgemeinheit und unserem Planeten die Verantwortung haben, sauber zu produzieren.“
Wir planen, einen digitalen Film in 3D 4K mit 120 Bildern pro Sekunde an entlegenen, unzugänglichen Orten zu drehen, an denen es keinen Strom gibt. Solarstrom ist der Weg, den wir einschlagen müssen.“
Dieter Kosslick, Direktor der Internationalen Filmfestspiele Berlin
„Die Berlinale beschäftigt sich schon seit Jahren aktiv mit dem Thema Nachhaltigkeit. Wir begrüßen es sehr, dass nun eine wachsende Anzahl von Filmemachern, darunter unser diesjähriger Jury-Präsident Darren Aranofsky, am Set grünen Regeln folgt.“
Benoit Delhomme
Kameramann (Theory of Everything, The Most Wanted Man)
„Ich habe nie konkrete Vorgaben erhalten, wie ein grüner Film gedreht werden soll, aber wir versuchen, es umzusetzen. Das ist etwas Neues für mich.
Nachtszenen werden mitunter zu stark ausgeleuchtet. Ich vermeide das. Wenn ich etwas mit bloßem Auge sehen kann, reicht das auch für die Filmaufnahmen. So gesehen bin ich ein grüner Kameramann.“
Oscar-Preisträger Jeremy Irons, der in dem Berlinale-Wettbewerbsbeitrag Nachtzug nach Lissabon die Hauptrolle spielt, ist ein Fan der Mülltrennung. „Besonders in Deutschland hat sich viel getan. Ihr seid vorbildlich, was die Mülltrennung betrifft.“
Der Hollywoodschauspieler ist um die ganze Welt gereist, um für die Umwelt-Doku Trashed von Candida Brady zu werben, die sich mit der globalen Müllproblematik auseinandersetzt: „Wir kaufen etwas, werfen es weg, verbrennen es und dann ignorieren wir es“ , sagt Brady. „Zusammen mit Jeremy Irons als unseren Reiseführer entdecken wir, was mit den Milliarden Tonnen von Abfall geschieht, die jedes Jahr heimlich entsorgt werden.“
Seit der Weltpremiere bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes 2012 hat Trashed diverse Auszeichnungen und Preise auf internationalen Festivals erhalten.
Helen Hunt
Schauspielerin
„Ich arbeite mit der amerikanischen Firma Sungevity zusammen, die Sonnenkollektoren für Privathäuser vermietet. Sie versteht es, innovative ökologische Konzepte zu entwickeln, die auch ökonomisch erfolgreich sind. Das ist mein kleiner, aber kontinuierlicher Beitrag zum Umweltschutz. Ich denke, wenn jeder etwas dazu beiträgt, kann das im Endeffekt sehr viel bewirken.“