Nachhaltiges Studio-Management

Energieeffiziente Haus- und Gebäudetechnik, stromsparende Scheinwerfer, Wiederverwendung von Dekomaterial und Vermeidung von Einwegplastik. Immer mehr Filmstudios in ganz Europa setzen auf nachhaltige Maßnahmen. Die Studio Hamburg Production Group hat 2012 als erstes Unternehmen in Deutschland mit der grünen Serienproduktion begonnen und diverse nachhaltige Praktiken im Studiobetrieb umgesetzt.

 

„Als nächsten Schritt würden wir es begrüßen, wenn weitere Maßnahmen folgen wie zum Beispiel Photovoltaik-Anlagen auf den Ateliers und begrünte Fassaden“, erklärt Michael Lehmann, Vorsitzender Geschäftsführer der Studio Hamburg Production Group. „Begrünte Fassaden verbessern nicht nur die Wärmedämmung von Gebäuden, sondern sie können auch Feinstaub binden und sogar die Lärmbelastung reduzieren.“

 

Studio Berlin in Adlershof setzt bei der Energieversorgung und Beleuchtung bereits seit Jahren auf nachhaltige Maßnahmen. Wärmeversorgung mit umweltfreundlicher Fernwärme aus schadstoffarmer Kraft-Wärme-Kopplung, der Einsatz von energieeffiienten LED-Scheinwerfern in den Studios sowie die Erzeugung von Solarstrom mit einer Photovoltaikanlage tragen dazu bei, den ökologischen Fußabdruck zu senken.

 

Am Standort Adlershof/ Johannisthal, mit dem Wista Management in öffentlicher Trägerschaft den „Klügsten Kiez Berlins“ initiiert hat, ist auch die Lichthaus-Gruppe mit über 50 Mitarbeitern ansässig. Das Kerngeschäft des Unternehmens ist die Konzeption von Filmtechnik. Neben Kamera- und Beleuchtungstechnik, Bühne, Studio-Rigging und Ateliervermietung gehört dazu ein eigener Fuhrpark.

 

Mit dem neuen Jofa-Atelier bietet Lichthaus auf einer Grundfläche von 1.300 m2 ein hochmodernes Atelier mit mehr als elf Metern Deckenhöhe. An diesem geschichtsträchtigen Ort, wo vor einem Jahrhundert die Johannisthaler Filmanstalten als „größtes Filmatelier der Welt“ errichten worden waren, steht nun ein energetisch nachhaltiges Gebäude mit Atelier, separaten Serviceräumen und temporären Produktionsbüros.

 

Die Beheizung erfolgt mit Fernwärme aus einem mit Biogas betriebenen Blockheizkraftwerk. Der Strombedarf wird durch eine Photovoltaikanlage auf dem begrünten Dach gedeckt, die einen jährlichen Output von 85.000 kWh erzeugt. „Damit versorgen wir nicht nur unser Atelier, sondern auch sämtliche Büro- und Lagerflächen sowie Ladestationen für E-Mobilität“, berichtet der Lichthaus Geschäftsführer Mike Zimmermann.

 

Energie- und Ressourceneffizienz spielt in den neu eröffneten Black Forest Studios im Schwarzwald eine wichtige Rolle. Auf einer Grundfläche von 17.000 qm befinden sich sieben Studios mit 100 bis über 2.000 qm mit Garderobe und Maske sowie Büros, Konferenzräumen und zwei Postproduktions-Suiten. „Wir haben das Thema Nachhaltigkeit bereits bei der Planung mitgedacht“, betonen die Studio-Chefs Nina und Sebastian Weiland. Die Beheizung des Gebäudes erfolgt mit Fernwärme, die Beleuchtung mit LED und die Stromversorgung mit Ökostrom. Eine weitere energetische Optimierung soll durch eine Photovoltaik- und Solarthermie-Anlage folgen.

 

Um die Produktionen in den Black Forest Studios möglichst umweltschonend umzusetzen, steht ihnen der Inhouse-Producer Jakob Reinhart als Green Consultant zur Seite. „Ich freue mich, Produktionen im Studio oder on-location mit praktikablen Lösungen zu unterstützen“, sagt Reinhart. „Wir bieten dafür die passende Infrastruktur vor Ort an.“

 

Umweltfreundliche Methoden und Prinzipien der Kreislaufwirtschaft sind in der bulgarischen Produktionsfirma B2Y, einer Tochter der Boyana Film Studios in Sofia, fest in den Arbeitsalltag integriert. Dazu gehören Plastikverzicht und Kompostierung organischer Abfälle, die als Dünger im eigenen Gewächshaus verwendet oder dem Botanischen Garten gespendet werden. „Das bringt uns unserem Ziel ein Stück näher“, sagt der Geschäftsführer Alexander Kenanov, „denn durch die Kompostierung reduzieren wir sowohl unseren Abfall als auch unseren CO2-Fußabdruck.“

 

Das B2Y-Team leistet sich sogar Bienenstöcke, um eigenen Bio-Honig zu produzieren. Lokal hergestellte Produkte gehören zum Willkommensgeschenk, mit dem die Grundsätze des umweltfreundlichen Abfallmanagements vermittelt werden. B2Y produziert Werbespots und internationale Kinofilme wie das Krimidrama Loving Pablo mit Javier Bardem und Penélope Cruz oder das mit Arnold Schwarzenegger und Michael Fassbender besetzte Action-Spektakel Kung Fury 2.

 

Beim Deko-Bau wird das Holz wiederverwendet. „Die Rahmen setzen wir beim Trockenbau wie Lego-Elemente wieder ein“, berichtet der Produzent. „Dadurch sparen wir fast 30 Prozent Zeit beim Setbau, was zu einer kürzeren Vorbereitungsdauer, geringerem Materialein- satz und niedrigen Personalkosten führt.“ Holzreste, die sich nicht wiederverwerten lassen, werden zu Sägespänen und Hackschnitzeln verarbeitet und als Dünger wieder in den Kreislauf zurückgeführt.

 

Fotos: © Felix Blumenstein/Black Forest Studios/Studio Berlin/GFS/Lichthaus/B2Y Productions

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