Saubere Stromerzeugung am Set

Sowohl bei Fahrzeugen als auch bei Stromerzeugern geht der Trend zu Hybrid-Lösungen, die klassische Dieselmodelle ersetzen. Um die Anforderungen der Filmwirtschaft mit den gesetzlichen Vorgaben in Bezug auf Lärm- und Abgasemissionen in Einklang zu bringen, hat das Berliner Lichthaus gemeinsam mit der MTD Medientechnik und der Whisper Power GmbH speziell für die Filmindustrie das Stage V Hybrid System Green Shooting entwickelt, das ein Batteriesystem mit einem Dieselgenerator als Back Up kombiniert.

 

„Bei einer Last bis zu 21 kW kann komplett emissionsfrei über einen gewissen Zeitraum rein aus der Batteriebank gearbeitet werden“, erklärt der Lichthaus-Geschäftsführer Mike Zimmermann. „Sollte mehr Leistung benötigt werden, schaltet sich der Generator zu.“ Die Systemleistung, die aus der Kombination der Wechselrichter- und Generatorleistung resultiert, beläuft sich auf bis zu 56 kW. Die nicht benötigte Generatorleistung wird zum Laden der 32 kW Lithium-Eisen-Phosphat-Batteriebank verwendet. Der 35 kW-Dieselgenerator entspricht den Anforderungen der Emissionsstufe EU Stage V und läuft mit weniger als 55 dba geräuscharm. Das Stage V Hybrid System Green Shooting ist in einen Kastenwagen verbaut.

 

Eine innovative Eigenentwicklung bringt Mobilespace mit dem Akku-Hybrid LKW Typ auf den Markt. Das Gerät verfügt über einen 160 kWh Akku mit 100 KW Ausgangsleistung, der allen größeren Filmsets eine autarke Stromversorgung von Set und Basis ermöglicht. Der Akku kann über gängige Drehstromsteckdosen oder Ladesäulen sowie vor Ort über den integrierten Back-up Diesel-Generator geladen werden. „Wir haben uns bewusst für den Aufbau eines Hybridsystems entschieden, das sich sofort ohne zusätzlichen Personalaufwand in den gewohnten Drehablauf integrieren lässt“, erklärt der Mobilespace-Geschäftsführer Moritz Kromer.

 

Pro Drehtag kann das eine Vermeidung von bis zu 200 Litern Kraftstoff bedeuten. „Eine Akku-Ladung sollte für mindestens einen Drehtag ausreichen“, sagt Moritz Kromer, der den Kunden anbietet, das Gerät kostenlos über Nacht bei Mobilespace in Hamburg oder Berlin mit Ökostrom bzw. dem Solarstrom aus der hauseigenen PV-Anlage zu speisen. Ist keine Aufladung mit Drehstrom an einer Steckdose oder Ladesäule möglich, startet der Generator vollautomatisch und lädt den Akku binnen knapp zwei Stunden auf. Statt einem Verbrauch von zirka 150 Litern Diesel pro Drehtag werden für das Back-up lediglich zirka 30 Liter Diesel benötigt, was bis zu 80 Prozent der sonst üblichen CO2-Emissionen spart. Für den rund 6,5 m langen Akku-Hybrid-LKW, der über eine Anhängerkupplung verfügt, ist ein Führerschein Klasse C erforderlich.

 

„Die Zukunft gehört den hybriden Systemen. Kleinere und mittlere Lastanforderungen werden über Batterien und hohe Lastanforderungen über Motoren abgedeckt“, konstatiert Niels Maier, der mit dem Kölner Filmgeräteverleih Maier Bros den MB-Filmhybrid 100 entwickelt hat. Der Prototyp dieses hybriden Stromversorgers war bereits bei Produktionen wie Babylon Berlin im Einsatz und kommt als Kleinserie mit sechs Fahrzeugen auf den Markt. Da sich die Umrüstung des Fahrmotors auf LPG (Liquified Petroleum Gas) nicht bewährt hat, wird die Kleinserie auf Basis eines Euro 6 Diesel-Fahrgestells aufgebaut und nur der Generator mit LPG betrieben. Hersteller des MB-Filmhybrids 100 ist das Unternehmen Polyma, das Filmproduktionen 2019 den ersten mobilen Stromspeicher geliefert hat.

 

„Es sollte keine Selbstverständlichkeit sein, den Dieselgenerator einzuschalten“, betont Niels Maier. Bei jedem Dreh sollte immer geprüft werden, wie weit der nächste Stromanschluss entfernt ist.“ In Hamburg war es Produktionen bei kurz genutzten Motiven bislang zu teuer, temporär einen Feststromanschluss installieren zu lassen. „Wir haben nun mit Stromnetz Hamburg eine Lösung entwickelt, mit der die Stadt den Filmteams bessere Konditionen anbieten kann“, berichtet Christiane Dopp, die mit der Film Commission Hamburg bei der Moin Filmförderung seit zwanzig Jahren als zentrale Anlaufstelle für Produktionen fungiert. Seit dem 1. Januar 2022 hat Stromnetz Hamburg die Kosten für die Installation und Bereitstellung halbiert.

 

„Der Auf- und Abbau der Wanderzähler bis 100A kostet nun nur noch 445 Euro“, bestätigt Anette Polkehn-Appel, Pressesprecherin von Stromnetz Hamburg. Optimiert worden ist auch der zeitliche Vorlauf für die Beantragung des Feststromanschlusses. Bei der Wahl der Installationsfirmen können sich die Produktionen für Anbieter entscheiden, die über Verträge mit Ökostromanbietern verfügen. „Ein Feststromanschluss rechnet sich bei meinen Produktionen schon ab dem zweiten Drehtag“, versichert der Motivaufnahmeleiter Daniel Matthaei, „denn bei einem Kraftstoffverbrauch von 150 bis 200 Litern pro Drehtag kann es teuer werden, Diesel einzusetzen.“

 

Fotos: © Lichthaus Berlin GmbH, Moritz Kromer/ Mobilespace, Niels Maier/ Maier Bros, Scarc/Shutterstock

 

 

 

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