Ein Credit für den Umweltschutz

Beim Shades of Green-Panel auf der Berlinale, das Green Film Shooting in Kooperation mit der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) veranstaltet hat, diskutierten europäische Vertreter von Filmförderungsorganisationen, ob Richtlinien erforderlich sind, damit nachhaltig produziert wird. Einer Studie der grünen EBU-Gruppe zufolge werden zwei Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen durch Informations- und Kommunikationstechnologien generiert. Während in der Autoindustrie und der Energiewirtschaft mehr oder weniger strikte Auflagen den Co2-Ausstoß eindämmen, dürfen die Film- und Fernsehproduktionen, die zum Großteil aus öffentlichen Mitteln finanziert werden, ungehindert die Umwelt verschmutzen.

 

Doch überall in Europa schießen zunehmend grüne Initiativen aus dem Boden. Die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein hat Anfang 2015 eine neue nachhaltige Maßnahme gestartet. Ein FFHSH-geförderter Film kann Mittel für den Einsatz eines Green Supervisor beantragen. Sofern das Konzept stimmt, werden die Kosten für den grünen Consultant übernommen. „Es ist wichtig, dass es in allen Bereichen der Produktion Teammitglieder gibt, denen Nachhaltigkeit wichtig ist und sie einen Green Supervisor als Ansprechpartner haben, mit dem sie sich über ihre Bemühungen austauschen können. Dadurch wird im ganzen Team ein größeres Bewusstsein dafür geschaffen“, erklärt Eva Hubert, Geschäftsführerin der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH).

 

Panel„Es ist wichtig, so viel Crew-Mitglieder wie möglich zu involvieren, damit sich alle verantwortlich fühlen“, betont Siebe Dumon, die beim Flanders Audiovisual Fund in Belgien für die Bereiche Training und Forschung zuständig ist. „Wenn eine einzige Person die Verantwortung trägt, kann jeder sagen ‚Das geht mich nicht an, denn das ist nicht meine Aufgabe‘. Aber wenn jeder Verantwortung übernehmen muss, trägt auch jeder die Verantwortung. Deshalb ist das Engagements eines Green Supervisor sehr wichtig, denn er übernimmt dabei die Führungsrolle.“ Angesichts der zunehmenden klimatischen Veränderungen besteht dringender Handlungsbedarf. „Die Uhr läuft“, sagt Siebe Dumon. „Deshalb will ich keine Zeit verschwenden.”

 

Über die Entwicklung eines europäischen CO2-Rechners wird bereits in der grünen EBU-Gruppe diskutiert, berichtet Joanna Gallardo, die in der Ile-de-France Film Commission in Paris als Koordinatorin für Ecoprod tätig ist. „In der EBU-Gruppe gibt es zwei CO2-Rechner von verschiedenen Mitgliedern“, erläutert Joanna Gallardo. Während in Großbritannien gemeinsam mit der BBC der Rechner Albert entwickelt worden ist, arbeitet das Ecoprod-Konsortium in Frankreich, zu dem Fernsehsender wie TF1 und France Télévision gehören, mit dem Carbon Clap-Rechner. „Ein europäischer CO2-Rechner ist in Hinblick auf die Kalkulation schwierig, da wir nicht die gleichen Standards verwenden. Aber eine europäische Richtlinie würde sich anbieten, da es immer mehr Koproduktionen gibt.“

 

Der Ansatz, enger auf der europäischen Ebene zusammenzuarbeiten, liegt für Els Rientjes, die als Nachhaltigkeitsbeautragte in den Niederlanden tätig ist, auf der Hand. Sie erwägt, mit dem belgischen CO2-Rechner zu arbeiten. „Warum sollen wir in die Entwicklung eines eigenen CO2-Rechners investieren, wenn dieser bereits bei der VAF verfügbar ist“, gibt die langjährige Produzentin zu Bedenken. Die Bemühungen, nachhaltig zu produzieren, sollten ihrer Meinung nach in die Credits einer Filmproduktion aufgenommen werden. „Es wäre schön, wenn wir am Ende eines jeden Films lesen könnten: ‚Diese Produktion hat keinerlei Schäden in der Natur und Umwelt verursacht‘.“

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