Grüne Standards für Filmproduktionen

Ob Toni Sevillo in Dall’ Interno (From the Inside) als Gefängniswärter mit einem Häftling diskutiert, Elyas M’Barek in Was wir wollten eine Beziehungskrise durchlebt oder ein Tintenfisch sich in Mission Mare auf einem Felsstein ausruht – die Dreharbeiten auf Sardinien erfolgen stets nach nachhaltigen Standards. „Die Produzenten betrachten unsere grünen Richtlinien nicht als Auflage, sondern begreifen es als Chance, neue Potenziale auszuschöpfen“, erklärt Nevina Satta, Leiterin der Sardegna Film Commission.

 

Die grüne Insel punktet bei den Produktionen mit spannenden Motiven, kurzen Wegen und lokal produzierten Gütern. Der italienische Produzent Carlo Cresto-Dina fand in einem ehemaligen Gefängnis in Sassari den perfekten Drehort für das Kinodrama Dall’ Interno, das Regisseur Leonardo di Costanzo mit den italienischen Stars Toni Sevillo und Silvio Orlando besetzt hat. Bei den Filmaufnahmen, die vollständig auf Sardinien erfolgten, wurde strikt auf die Einhaltung nachhaltiger Umweltstandards geachtet. Die Produktionsfirma Tempesta hat mit dem Label EcoMuvi sogar einen eigenen Zertifizierungsstandard für Medienproduktionen entwickelt. „Unsere Vorgaben helfen uns, Geld zu sparen“, versichert Cresto-Dina, „und führen am Set zu einer positiven Dynamik mit nachhaltigen Praktiken.“

 

„Die wichtigsten Bereiche für die Umsetzung einer grünen Produktion sind Transport und Unterbringung der Crew, Energiesparen, Catering sowie die Materialwahl“, erklärt der Produzent Giovanni Pompeli, der die größte Herausforderung darin sieht, alle Beteiligten der Produktions- und Lieferkette einzubeziehen. „Die Maßnahmen sind bei jedem Projekt unterschiedlich, aber die Haltung muss sein, den Herausforderungen mit einem nachhalti- gen Ansatz zu begegnen.“

 

Für Netflix hat Pompeli als Herstellungsleiter die Produktion des Beziehungsdramas Was wir wollten betreut, die als österreichischer Beitrag für den Auslands-Oscar eingereicht worden ist. Der komplette Kinofilm wurde 
im Süden von Sardinien in dem Luxus-Hotel Falkensteiner Resort Capo Boi aufgenommen. „Es gab keine Anfahrten zum Set, denn das Hotel diente uns sowohl als Drehort als auch für die Unterbringung des gesamten Teams.“

 

Auf das Prinzip, möglichst alle Szenen am Hauptmotiv aufzunehmen, setzte er auch bei dem Arthousefilm Dry Land von der polnischen Filmemacherin Aga Woszczynska, an der Pompeli mit seiner Firma Kino Produzione als italienischer Koproduzent beteiligt ist. „Unser Hotel war nur ein Kilometer entfernt, so dass wir zu Fuß oder mit dem Rad zum Set kommen konnten“, berichtet der Produzent, der dabei ausschließlich Strom aus dem Festnetz eingesetzt hat. „Das Wichtigste am grünen Drehen ist, nicht nur selbst nachhaltige Maßnahmen zu ergreifen, sondern diese auch anderen Menschen zu vermitteln.“

 

Um Kinder dafür zu sensibilisieren, mit welchen Folgen die Verschmutzung der Meere mit Plastikabfällen für die Tier- und Pflanzenwelt verbunden ist, hat Federico Fiecconi für den Sender RAI den teils real gefilmten, teils Computer-animierten Kurzfilm Mission Mare produziert. Die Sardegna Film Commission ermöglichte Aufnahmen im Naturschutzgebiet in Cala Gonone, die nur mit natürlichem Licht erfolgten.

 

„Die Idee zu diesem Projekt ist bei einer Location-Suche auf Sardinien entstanden“, berichtet Satta, die den ein- heimischen Herstellungsleitern neben den grünen Richtlinien auch die COVID-19-Sicherheitsvorschriften vermittelt hat. „Das ist eine Gelegenheit, die natürliche Verbindung zwischen ökologischer Nachhaltigkeit und Sicher- heit am Set aufzuzeigen und zu stärken: Wir müssen sowohl die Filmteams als auch die Menschen in unserer Region schützen.“

 

Fotos: © Filmladen, Gianni Fiorito/Tempesta, Giulia Camba, H2O Team, GFS

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