Nachhaltige Produktion in der Praxis

Bei der Panel-Diskussion Sustainability in Series: Change is challenging, zu der Green Film Shooting in Kooperation mit der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein und der MFG Baden-Württemberg im Rahmen der 66. Berlinale eingeladen hat, diskutierten Produzenten, Regisseure, Produktionsleiter und Film Commissioner über ihre Erfahrungen mit grünen Produktionen. In Großbritannien haben rund hundert Team-Mitglieder der langlaufenden TV-Serie Coronation Street an einem eintägigen Öko-Trainingsprogramm teilgenommen. „Dadurch hat sich jeder Bereich unserer Produktion verändert. Dieser Erneuerungsprozess war sehr schöpferisch, denn wir haben die komplette Serie auseinandergenommen”, berichtet Dan Jackson, Produktionsleiter von Coronation Street. „Wir haben uns jeden Teil dahingehend angeschaut, wie wir ihn produzieren und entsprechend überarbeitet, was durch das Training möglich geworden ist.“

 

 

Die Technologie befindet sich im ständigen Wandel, wovon vor allem die kreative Seite profitiert. „Das Angebot auf dem Markt für LED-Leuchten hat sich erheblich verbessert“, konstatiert der Produktionsleiter. „Wir versuchen, mehr Mittel vom Sender dafür zu bekommen, damit wir weitere grüne Maßnahmen umsetzen und damit den Ausbau dieser Branche unterstützen können. Wir müssen ihnen einen Teil ihrer Investitionen, die sie in die Entwicklung gesteckt haben, zurückgeben, damit diese in die weitere Forschung reinvestieren können.“

 

 

In Italien hat Alessandro Bonifazi mit seiner Firma Blue Film die Doku Sul Vulcano auf nachhaltige Weise produziert, während die belgische Produzentin Charlotte Van Hassel zum ersten Mal bei dem Spielfilm Black auf nachhaltige Produktion gesetzt hat. „Als ich mir am Anfang den CO2-Rechner angeschaut habe, dachte ich, dass damit ein großer Aufwand verbunden sei, aber das war gar nicht der Fall. Es war wirklich einfach“, betont Van Hassel.

 

 

Für Nevina Satta, Leiterin der Film Commission in Sardinien, besteht gar nicht die Option, zwischen grün und nicht grün zu wählen. „Da wir eine Insel sind, ist Effizienz für jeden Einwohner eine Notwendigkeit“, erläutert sie. Wenn ein riesiges Filmset zurückgelassen wird und viel Unrat am Strand herumliegt, schädigt das nicht nur die Touristen-Saison, sondern schadet auch dem Ansehen der Medienbranche. „Film Commissions arbeiten eng mit den Gemeinden zusammen. Die Filmsets werden abgebaut, aber der Film Commissioner bleibt vor Ort“, sagt Satta. „Wir können auch die Art der Dienstleistungen ändern, mit denen wir die Produzenten unterstützen, denn wir vergeben nicht einfach nur Zuschüsse.“
 
 
Joanna Gallardo, Vertreterin des französischen Konsortiums Ecoprod, erläuterte die Ecoprod Charta, die kreiert worden ist, um sämtlichen audiovisuellen Firmen wie Dienstleistern und Studios nachhaltige Maßnahmen  anzutragen. „Wir müssen alle Bereiche im audiovisuellen Sektor sensibilisieren, wozu nicht nur die Produzenten, sondern auch die Dienstleister gehören“, unterstreicht Gallardo. Zu diesem Zweck organisiert Ecoprod Workshops und Konferenzen, bei denen sich die verschiedenen Unternehmen über nachhaltige Innovationen austauschen können, die sie auf den Markt bringen.

 

„Die Technologie ist auf unserer Seite“, versichert der belgische Regisseur Nic Balthazar. Nachhaltig und umweltfreundlich zu handeln bedeute oftmals weniger Ressourcen zu verwenden, was automatisch zu einer Kostenreduzierung führe. „Wir verfügen über eine wichtige Position als Meinungsmacher“, resümiert der Filmemacher. „Deshalb sollten wir Veränderungen aktiv vorantreiben. Ich bin davon überzeugt, dass wir dies auf eine positive Weise schaffen können.“

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